gegen die ufer. angeschwemmt

zum Welttag der Poesie (21. März)

[weg. weisung | spalier aus vergissmeinnicht]

am anfang des frühlings. traum vom welken laub.

aufgewacht. im kalten atem. eines noch unbestellten gartens. hätte gehen sollen. die hecken entlang. um die ecke. die x-te gasse. links. und dann wieder links. gegen den lauf der uhr. und am ende nur noch ein stück geradeaus. als ob über eine schwelle. und falls dann. immer noch weiter. endlich zu lösen. die stricke vom herzen. und den stacheligen draht von den zehen. zu öffnen. vielleicht. ein letztes tor. während des power naps. und die bilder aus den augen tränen zu lassen. ungesehen. und die wörter. ungehört. hinab die sabberstraße. die aus dem mundwinkel quoll. die rufe. einer nach dem anderen. wie tobende kinder. die wasserrutsche hinunter. ins kissen. wo sie versickern werden. wie regen in der wüste.

trotz aller schrecknisse. man spürt das wieder keimende. und kann den hoffnungen nicht entkommen.

aber: man darf den gärten die arbeit der gärtner nicht ansehen. die fingerabdrücke des schaffenden. sind der wahren schönheit ein gräuel.

denn: nichts bleibt von den eitlen empfindungen. als ein grau erstarrtes ufer. vor dem unendlichen glasfeld. der ertrunkenen sonne.

und ein gemauerter schatten. legt sich selbst um die engelshaut.

darum musste ich flüstern: wachse. mein mäuseohr. schließ dich zur rechten stunde: auge des boten.

die frieden stiften

[schattenüberwurf | kreuzlagerfeuer]

stamm. oder fallendes laub. oder niedriges gras. das sich wärmen möchte.

blut des einzelnen. blut aller. des einen hoffnung. die hoffnung aller.

täusche dich nicht. 08:16:02. ist der ewige glockenschlag. dessen klang sich ergießt. auf alle schlafenden landschaften. herab. vom kalvarienberg.

täusche dich nicht. das eine grab. ist das grab aller. rund ist die erde. und hält allen staub. nah bei ihrem gerippe. und lässt sich massieren. den wund geschufteten buckel. von der immer gleich fließenden zeit. allen. den erschöpften. wie den ausgeruhten. hat sie den wecker gestellt. im ewigen wimpernschlag. den ganzen langen sommertag. hindurch. an jedem ort. in jedem schmerz. ihrer uralten, urjungen träume. sie kann sich die brandschatten nicht von der juckenden haut ziehen. und nicht den erstickten schrei aus der verätzten kehle.

täusche dich nicht. im spielzeug des kindes. sind die arzneien. wie die waffen. sie zählen bis 10. und schenken sich leben. unendliche. sie zählen zurück. bis zum quellen der warmen, fetten milch. aus den knospen der eibe. vom blitz getroffen. und ausgebrannt. auf dem friedlichen kirchhof. wo die steine etwas schief stehen. wie eingenickte greise. mit zur rechten schulter geneigtem kopf. in den wachsgesichtern. der aufgebahrten. ruht die ferne offenbarung. und das pfeifende atmen der asthmakranken. als ein leises erinnern. an die winzige rückung. zwischen schüttelreim und stechschritt.

warm ist das glück der strände. in der ewigen sommerfrische. unter der menge der sommerfrischen. doch täusche dich nicht. wenn die hand in den weichen sand greift.

täusche dich nicht. die eine stille. ist überall. in den frisch gebrannten ziegeln. wie im gefärbten glas. wie im gebeizten holz. wie in den falten. die noch das sanfteste wasser schlägt. denn. im amen. das es fortwährend murmelt. ist schon jeder name gesprochen. bevor er vergeben wurde. der schaum auf den wellen. wie um die münder. ist die eigentliche ur- und antimaterie.

darum. täusche dich nicht. nur weil es so viel festes gibt. so viele feste. wachzuhalten. ein fremdes gedächtnis. wenn erst bei einbruch der nacht. aus allem die farben genommen sind.

bleibe standhaft. zwischen den aufgerichteten kreuzen. warte vor allem verschwinden. und täusche dich nicht. ob dieser ruhe. auf allen weitläufigen inseln. ob dieser leichtigkeit. eines schmerzlosen vergehens. in aller muße. wenn es erst vor dir liegt: das bedingungslose. das bedingungsLos.

gegen die ufer. angeschwemmt

[zwie. spalt | sauermilch der nachgeborenen | drahtgefieder der nothelferinnen]

Beginn einer neuen Dichtung

alle tage in einem. der eine: wie alle. so hing das leben. kopfüber. als matte verheißung. und zunge aus sand. betrachtet: von augen aus brennenden kerzen.

die maske hilft nicht. hält nicht. das erodierte. das sich fortatmet. wolke für wolke. man wächst dem grauen zu. dem undurchdringlichen.

rede und lied. ist in den wäldern. ist in den feuern. und in den wassern. ein trübes hielt ihre teilchen beisammen. ahnung und angst.

und doch. betraten sie die boote. oder zogen in karawanen. verließen ein hiesiges. mit nichts. als ein paar erzählungen. von hoffnung erschöpft. schob sie hinaus. das grauen des morgens. zog sie hinein. das zwielicht des abends. dass jede wanderung kennt: eine heimat.

die vielen briefe. die. eines tages

[Πένθος. große not. gottes begleiter. schweigend]

wie nur? weiter. zu-stand. unbewegliche welt. leerstand der seelen. ein atem steigt aus dem großen wasser. und steht in steinernen wolken über den inseln. der gleiche blick. abends. wie morgens.

die heimchen krochen hinab. in die kehlen der schlafenden.

wohin nur. bei all dem platz. endloses. sandiges land. in den augen der wandernden. vorbei an den bitteren seen. da flackert weit draußen. ein saum des schilfs. von dem schon immer die sage ging.

honig. und träne. duft ihrer heiligen wunden. da tropft hinein. die erste strophe der amsel. bevor es tagt.

hinaus. hinaus. ablandig wies uns der wind die wege. wir pflanzten die bäume. die uns einmal zu booten werden. zu-stand der welt. über der weite unserer träume.

diese stunde. jegliche zeit. den zimmern müssen noch fenster wachsen. wir wartenden weben das x-te jahr. in die vorhänge und die gewänder.

ob er nicht hört?

die heimchen krochen hinab. in die kehlen der schlafenden.

die vielen briefe. die. eines tages

[2.07 | klar.stellung]

heftige durchfahrt. des augenblickes. durch mein erschöpftes gedächtnis. verzagten zweigen zur erinnerung. ans baldige knospen. längere haltbarkeit. der schockgefrosteten empfindungen. und der wunsch. nach vollendung. in den zwei augen. die sich nicht schließen können. verschlossen im luftdichten kristall.

doch: so ließ sich bewahren. der ruf. nach nähe. also im grunde. wie die kastanien. die wir als kinder sammelten im herbst. und auf streichhölzer spießten. damit sie stehen. zwischen den märchenbüchern. und wachen. auglos. und ohne zeitbedrückung.

denn mit uns. wurde schon immer. die frühe ahnung geboren. dass alles mütterliche. sein würde. eine zärtliche vorbereitung. des abschieds.

die vielen briefe. die. eines tages

[1.31 | verjüngung des mondes | wissen um alles. das durch glas wandern kann]

hoffnung. drei tropfen. komm. o komm. stern der müden… war ein kind. die wangen voll. mit süßem. holte mir atem. aus dem noch laublosen gezweig.

erste amsel des jahres. über dem bahnhofsportal. die reisenden zu grüßen. oder zu segnen. trotzend. der trockenen kälte. klaglos. ob der vergangenen sommer. den sang nach vorne ausgerichtet. ins kommende. den knospen zu. dem klee. den freundlicheren blicken.

3 tage weiter. die sargdeckel. zu schäfchenwolken verpufft [cu hum. oder auch cu med = c u. oder auch: später. einmal. wenn der tag jung. oder auch: jüngster tag] aber müssten nicht auch die schächtelchen fliegen können? mit den flatternden schwalben darin.

erinnerung. an die freunde. mit denen man hätte alt werden können. halbe stunden. geteilte zeit. früchte. gedanken. zweifel. das schönste aber: klänge. wortloses. jenseits des schallens und klapperns. widerhall. wie beim eintritt der seele. ins andere.

dann aber. geriet das träumen. wie die welken hänge. die drögen wiesen. von denen aus das blitzende baltische wasser zu sehen ist. das der farbe des himmels nie zu widersprechen wagte.

komm. o komm. wir tragen den regen. mit bloßen händen. zu den verlassenen gärten. und schütteln. schließlich. unsere krausen schädel. wie zerknautschte kissen. nach viel zu langem schlaf.

geht doch. wenn ihr wollt. geht doch. wenn man nur will. wissend um alles…

die vielen briefe. die. eines tages

[eine seele. eine jede | antwort auf die frage: warum so traurig?]

die zeit. ist verstrichen. ohne ein wort. eine müde hand. ein schatten. unter den uralten kastanien. gleitend hinab. ans ufer. wo ein großer spricht.

kaum mehr. wird er sagen. als die unsagbaren dinge.

bleibender saum. des lebens. wenn es vergeht.

ach. diese güte. im anschauen aller mängel. doch außen. wird kein echo hallen. das vom unverzichtbaren spräche. von der einen nahrung. jenseits von wasser und brot. ohne die der tag nicht durchzustehen wäre. und der abend nicht lebend zu erreichen.

was zeigt sich? was drängt und drückt? in der geringsten stunde. und legt den kleinen, den zitternden finger. auf die tiefste, dunkelste stelle. auf- und abgang. des täglichen lichtes. zug vorbei. der träume. tropfen. zum staub. wunsch um wunsch. eine unendliche verkettung. eine versandung. und korrosion. in der öde. der gleichgültigkeit.

in den wänden. im gewand. blieben hängen. die geräusche. die ehrlichen erinnerungen. die wendungen. der irrsinnige schmerz. ihrer nie beruhigten sehnsucht. nach umkehr. und aufbruch. nach dem einen kräftigen abstoß. vom gestein. das sich am rand des lebens und atmens bildete. aus allen stimmen. und ihrem pendelnden gesang. hin und her. zwischen. noch nicht. und nicht mehr. einmal. und nimmer.

schließlich jener tag, an dem es heißt: im schatzhaus. gefangen. einer unbezahlbaren einsamkeit. dort: in den gegenden der dämmerung. gegen alles gelehnt. was sich ahnen lässt. und zugleich: die ankunft im wissen. nicht mehr erlebt.

und doch. zu jedem. kommt die quelle des lebens. zurück. mag dies auch erst geschehen. in der allerletzten stunde. minute. sekunde.

die quelle. nicht. die qual.

das immer gesuchte. nach allen versuchen. die welt. für sich. natur. und ihr ruf. sich ihr anzuschließen. ein opfer zu bringen. eine hingabe. eine gabe. immer gereicht. ohne jemals auszureichen.

doch dieses eine soll von ihr gesagt sein: dass sie gegeben wurde.

die vielen briefe. die. eines tages

[lied vom guten ende]

dort. wo die rotkehlchen warten. dort. bei den blinden katzen. still. wie eine knospe. ende januar. wie ein motto. ein leitmotiv. leidvotiv.

aber. gärten. weil es grenzen gibt. einhegungen. hecken. mauern gar. für rankendes. und spalierobst. kapellen der wünsche. dahinter. glück der ufer. der bäche. für den klang fließenden wassers. und die alleen. reihung der wegweisenden bäume. wie strophen.

waage. der partikel. und konjunktionen. sortiert. in schächtelchen. morgens. und abends. zyklisch. wie‘s zähneputzen.

hier. im fensterglas. ruht sich der zugvogel aus. der viel lieber geblieben wäre. doch dann: seine federn. die kiele. wuchsen zum blei. das die lichthungrigen stücke zusammenhält. weil sich nur so. gelesen gegen den uhrzeigersinn. eine geschichte ergibt. wie ein echo. jener gedanken. der lauschenden.

dann aber. durch die stadt irrende straßen. menschenleere. in den cafés wartende. ihre blicke hinaus. mit dem glas der panoramascheiben verschmolzen. wie flachware der jahrhunderte. in den museen der welt. bilder eben. aus denen es zuruft den hiesigen. einzutreten. in die grabkammern der geschichte.

wiederum. aber. steht dies nicht. im widerspruch. zu den jetzt bereits milderen tagen. den ein oder zwei stunden. die es mehr an licht hat. und es scheint. als ob. einer vor lauter müdigkeit. die große lustbarkeit eines verlängerten freitagabends verschlafen hätte. und aufschreckt gegen halb zwei. die übrigen gäste die treppen hinunterwanken sieht. in einem einsamen nachsehen. den gründlich aufgebrochenen. hinterher.

pausenlos. ist das denken. ist das schweigen. das ausgegraute. aller gedächtnisse.

schließlich. diese sekunde. in der sich worte gebären. um einen unerträglichen schmerz abzumildern. und abzustellen. in schattigen winkeln. weil sich der jammer nicht geziemt. und die ins fleisch gehauenen nägel. längst einen sicheren halt gewährleisten.

das gute. ist in jedem fall. und immer. ein erledigtes.

dort. ist ein frieden. der die zeit aus seinen wunden kratzte. ein hof. um wie ein kind. in die pfütze zu springen. und durch den brunnen zu fallen. auf frühlingswiesen. die nach frisch gebackenem brot duften. ja. dort. wo der schlussstein aus den fugen rutschte. wo sich die deckel hoben. der felsschweren sarkophage. unter geschüttelten kissen.

die vielen briefe. die. eines tages

[aussicht. durchsage. winterlicht]

wieder. auf der suche. selbst. wenn es regnet. unablässig. und. eine kaltfront naht. trocken. eisig.

dennoch. wird es hinweise auf hoffnung geben. wenn wir weitergehen. praktische informationen. rätselhafte. gleichwohl.

buchstaben fallen. auf zahlen. wünsche und segen. alles noch unsortiert. ein sekundäres chaos. als sei ein heftiges niesen über den schreibtisch des schöpfers gewettert.

noch sitzt er auf einer unruhigen schaukel. doch wenn er sich wieder eingependelt hat. im takt von nacht und tag. wird er sich nicht mehr erinnern können. an den lärm des abschieds.

wälder zwischen grauem gestein. bronzenes schimmern in den lichtungen. still wird es. wenn der schlaf überstanden. die fahle wintersonne. das zitternde mädchen. mit dem gesicht einer greisin.

alles eben. ganz gleich. ob frost oder trauer. die tränen treiben… doch dahinter wird etwas aufgefunden. aufgehoben sein. die zeichen. im saum der geduldigen wege.

gegen ende. gegenden. viele. aber nicht mehr: ziellos irrend. wähle dir eine begleitung. einen namen. auf einem der grabsteine.

denn wie sollte deine geschichte weitergehen? würde ihre nicht mehr erzählt.

die vielen briefe. die eines tages

[dieser eine tag. dieser einzige | keine erzählung. geschichtet]

ausstieg. am fuße des… dörfer. menschenleere. städte. leere menschen. jemand fragt nach dem rückweg. zu hoch. die stufen. zu abgewetzt. die schwellen. im haus aber ist platz. für die müdigkeit. hängendes. eines. über dem anderen. das wetter macht einen großen bogen. alles ist normal. alles ist anders. einzelne worte. hallen von wand zu wand. fallen aus allen wolken. in unregelmäßigen abständen. wie steinerne kugeln. in die brunnen. sie sind zahllos. wie die zeit. zeugnisse einer unbekannten bewegung. und dazwischen. endlose schlangen. von möglichkeiten. das gedränge der augenblicke. die ihren einsatz nicht verpassen wollen.

deine zeit kommt noch. jeder tag ist ein anfang. die zweige mögen erstarrt sein. von frost. oder hitze. aber das wartende herz. muss sich erwärmen lassen.

nachts. passiert nichts. selbst wenn das vorige jahr durch die träume wandert. es ist sehr weit weg. weiter noch als die kindheit. es soll nicht wiederholt werden. es wird nicht wieder eingeholt. der auf dem grund ruhende anker. der die kette zerriss. an der er hing.

sonntagnachmittag. auf dem megasessel. umgeben von kissen. und gedanken. langsam erzählt sich ein leben. wenn es versickert. regenmäntel. sargdeckel. glocke. die auf den kieselstrand stürzte. und etwas schief in die wellen getaucht. in die hand gelehnt den schlaffen hals. dass der kopf nicht zur seite kippe. und der letzte traum nicht rutsche. in die falsche ecke. ist schon november. mitten im januar. der tag schon zu matt. für den abstieg.

was hat sich die zeit nur gedacht. vor ihrem anfang. ganz klein bin ich geworden. wie ich schon einmal war. ganz hinten. hockend. im riesigen, leeren theater. ganz weit. weg. punkte. auf einer winzigen bühne. ganz nah. die gegen das rund dieser welt gedrückten schatten. unterleib. füße. gesäß.

dann aber. gab es die stunde. als der glaube begann. da ging einer hinaus. der hatte gehört von allerseelen. von den eschatologischen verzögerungen. im betriebsablauf der erlösung. er hatte den auftrag. die tage zu sortieren. für ihren kommenden ablauf. damit sie sich am gläsernen eingang nicht gegenseitig zerträten. der nächste tag. jedoch. ist immer. montag. die pflicht. die furcht. das vergessen. der antworten. wie der fragen. moment. einer rassel. einer pfeife. einer vorsicht. beim einstieg. am kopfende…

der entschluss ist gefasst. fraglos. unterbrechung. der zärtlichkeiten. der schwangerschaften. immer ist ankunft. für die daheimgebliebenen. und vor dem abschied. gesundschreibung. und nach dem erwachen. leicht verstört dareinschauende sittsamkeit. und mit ein wenig glück. erleichterung. illusionsloser gang. die selige fahrt. vertikal. auf dem stuhl der gerechtigkeit.

das folgende. ist eine dämmerung. ein nebel. der durch die straßen zieht. ein ruf hinüber. aus der undurchsichtigkeit. ins hiesige. als die einzige verheißung. die noch ihrer namensgebung harrt. die ewige reise. hinaus. über den buckel des in der zeit erschöpften raumes. weil die nacht. kein ende findet.