TOMOI. Den Ufern nachgerufen… Briefe aus der Isolation

2021.2.1 | 326-SARS-CoV-2

[Tag 209 der Isolation]

[…dass wir uns nicht verirren. in dieser Einsamkeit]

Es begann jedes Mal mit einem inneren Aufruhr oder einer Idee von etwas noch nicht Erlangtem, dass mich zugleich gelöst sein ließ von den schmerzlichsten Erinnerungen, sobald die neue Wanderschaft angebrochen war und ich ohne Erwartungen in das Dunkel des Kommenden schritt, ohne mich umzudrehen oder in den schwarzen Sumpf des Schlafes auch nur irgendeinen nutzlosen Traum zu schütten, denn die Trauer war überwunden und von ihr blieb allein zurück eine stille, kalte Traurigkeit im Gang vorbei am Elend der Welt, mitleidend zwar, aber ohne selbst noch einmal lieben zu können oder aufgehalten zu sein von einer konkreten Sehnsucht, weil nur das Unbestimmte und Zufällige, das gänzlich Unverdiente mich weiterziehen ließ, ohne tiefere Regungen zu empfinden, gleichgültig gegenüber dem Absonderlichen wie dem Gewöhnlichen, bis ich Beides nicht mehr voneinander zu unterscheiden wusste.

[Öde des Vertrauten. werde nie ein Anderer sein. werde nie etwas Anderes sagen. zwischen dem langen langen Schweigen. hinter dem halbdunklen Blick. | … | kein Grund eigentlich, überhaupt dazusein. Unerkannt. Ungefragt. in Pfützen stehend. von großer Seefahrt träumend. und in den täuschenden Intervallen des Schlafes. ein stummer Zaungast vergessener und unerzählter Aventiuren. die ein jedes noch so einsame Leben mit ein wenig halbgarer Phantasie hätte schreiben können]