
Komplet
lasse dich
fallen
unsichtbar
bleibe zurück
dein Teil
die Werke
wortlos entrichtete
entgangen
dem Finsteren
und dein Gehör
in der Mitte
der Stille
sieh nicht zu lange
auf das Erschaffene
das nur sein durfte
weil es vergehen muss
die einsame Hand
Müh‘ und Erschöpfung
weil du dich hingabst
dem Vergangenen
damit es nicht vergeblich war
so also sprachst du
dass es seinen Namen trage
unverzagt
in tief ruhender Furcht
Evensong
let yourself
fall
unseen
remain behind
your part
the works
wordlessly paid
escaped
the dark
and your hearing
in the heart
of silence
do not gaze for too long
at your creation
that was allowed to be
only because it had to pass away
lonely hand
toil and exhaustion
for you gave yourself
to the past
that it was not in vain
thus you spoke
so it bear its name
undaunted
in deep and resting fear
Non | brevis
ruhend
unter dem Regen
ziehend
in anderen Farben
an Sonnentagen
umgänglich
unumgänglich
an Feldern entlang
kreisend
um die nähere kleinere Welt
hält er den Atem an
hält er die Flügel bereit
falls aufkommt ein Wind
falls er aufkommen muss
für ein gesprochenes Wort
oder auf dem Boden
einer fremden Hoffnung
Non | brevis
resting
under the rain
moving
in different colours
on sunny days
avoiding
unavoidably
along the fields
circling
around the closer smaller world
holding its breath
holding its wings ready
for a wind
if it’s coming up
if he ought to pay
for a spoken word
or to land on the ground
of a foreign hope
Apódeipnon [Fünf Waka-Variationen]
versäumte Jahre.
Stunden. von Mattheit gesäumte.
auf Wind. warten die Inseln.
die Gärten. auf Regen.
und duftend nach Entgangenem. ein jeder Schatten.
Augenblick. einst.
reglos im Spalt des Lichtes.
und vergessen. fast.
Trübsal. und jedes wunde Wort.
das ins Dunkel tropft. darin die Zeit verschwindet.
warte nur ab.
Ufer der Wiederkehr.
sieh dir ins Auge.
seh‘. deiner Seele anderen Namen.
gestrandet. am Ort des Abschieds.
weit. wie der Tag.
Horizonte. ziehende.
mit allen Farben ins graue Meer.
weil Wolkenhimmel.
weil Schrecken. vergessener Blüte im Gras.
erloschen. dann.
haltlos in den Entfernungen.
doch falls sich öffnet. dein Herz.
leuchte. dem Liebsten.
der jede Nacht nach seinen Träumen sucht.
Apódeipnon [Five Waka Variations]
years. missed.
hours. lined with languor.
for wind. waiting. the islands.
the gardens. for rain.
and scented with what has been lost. every shadow.
moment. once.
motionless in the crack of light.
and forgotten. almost.
gloom. and every sore word.
that drips into the darkness. where time disappears.
just wait.
shore of return.
look yourself in the eye.
see. your soul’s other name.
stranded. on the site of farewell.
far. as the day.
horizons. moving.
with all colours into the grey sea.
for the cloudy skies.
for the horror. of blossom in the grass. forgotten.
extinguished. then.
unstoppable in the distances.
but if. your. heart. opens.
shine. on the beloved.
who searches for his dreams. every night.
Te lucis ante terminum
die Möwen
gleitend
wie auf deinem letzten Atem
Fall ihrer Rufe
lehnend ihr graues Gefieder
gegen die Dämmerung
bald
schweigen die Winde
dann
über wortlosem Wissen
woher es kam
das Leben
hinter den Dünen
Totenfelder
Naxos
von allen Nebeln verlassen
nah
wird immer sein
der Morgen
und
die Küsten
fern
legte sich
nicht
dein Boot
auf die unendliche Woge
auf die Wege
der Verlorenen
endlos
wem
galt der Wink
nicht
zu vergessen
was
du vermissen wirst
wie weit
sieht dein Auge
auf offenem Wasser
was willst du
erkennen
ohne die Rückschau
frei
ja
aber auch
einsam
Vieles
liegt an den Stränden
Muscheln und Tang und Steine
Vieles
das sich sehnte
nach Beseelung
aber
die Spuren der Schritte
bleiben
kaum drei Wellenschläge lang
das Meer
muss seine Wunden
schneller heilen
als die Zeit
es jemals könnte
in ihrer Unerschöpflichkeit
gleitend
die Möwen
über den erloschenen Augen der Küste
wo gestern noch
nisteten
die Uferschwalben
matutina
komm
über das Wasser
schleiche
dich ans Ufer
wo ich ins Schilf
einen Pfad schlug
lege
du deine Flossen ab
wie ich meine Flügel
Farben des Meeres
und
Farben des Himmels
erkannt
in den Augen des Anderen
Morgenwinde
und
Abendwinde
verschlungen
zu einem Gewächs
hier
allein mit dir
gäbe es Atem und Stimme satt
halte ich dennoch
Rätsel und Geheimnisse
im Schweigen
zwischen den Wänden
Mesonyktikón
zu wem sprichst du
wer ruft dir zu
der Welt
abhandener
durch Mondlicht
stoßende Pfeile
des Regens
festzunageln die Schritte
wo sie zuletzt
Wüsten
fegen durch
Lauben
bist dort kein Fremder
wo die Schatten rar
Schläge des Herzens
dein Pochen an Pforten
und drinnen
die blutfarbenen Brunnen
blassrosa Tinte
die lästigen Totenregister
aber so weit du schaust
triffst du die Blicke nicht mehr
und siehst ihre Flüche fallen
wie Felsbrocken ins Finstere der Schluchten
wo die Schlaflosen krampfen im Echogeäst
Visita quaesumus
I
gehe
hinunter zum See
schaue
ob der Mond sich zeigt
in ungezählten Funken
ungeboren noch
die Geschichte
steckengeblieben
in den Hoffnungen
die sie fortrissen
von den fernen Küsten
II
von den Brüstungen
hängen die Laken
wie wartende Pergamente
leer
scheinen die Zimmer
hinter den offenen Fenstern
und in den Gassen
ein schweres Atmen
von Sehnsüchten und Erinnerungen
Inseln
von Schönwetterwolken
ziehen über die grauen Häuser
und still
fallen die Petunien
die klammen Mauern herab
als seien den Müttern Bärte gewachsen
aus denen tausendfach
die Sorge
blickt in die Welt
III
gehe hinauf
von der Zeit vergessen
hier
gibt es
keine falschen Straßenseiten
und die Ufer
sind immer drüben
ins Dunkel
fliegen die Möwen
ihr Rufen
wie Echo
das sich entfernt
springend von Dach zu Dach
IV
Sandkorn bist du
die Frage verweht
wenn einer erstmal Luft geholt hat
aus den Wäldern
wo sie verlorengingen
still ist es
im Gestein
seit man es aufgerichtet
und scharf muss der Wind sein
der es rund schleift
zu zärtlichen Wangen
vielleicht
wird jemand in Sicht sein
wenn du weitergehst
und sammelst
die Teile der Welt
wie die Glieder des Geopfterten
Schatten
die voreinander flohen
und wieder
wie tausende schwarze Fetzen
über den Obsthainen tanzen
und singen würden
wenn sie noch Schnäbel hätten
und Kehlen
damit die Freude immer sei
bei den Kindern
In manus tuas | stella maris
dein Rauschen und Funkeln
Atmen und Branden
die Muscheln und Steine
fern deiner Küsten
in Regalen
und auf Fensterbrettern
Geheimes
ohne Zweifel
in deinem Gehör
durch nächtliche Wüsten
bis hierher
an die geputzten Gestade
kalter Glanz
der ungelösten Rätsel
und in den Sternen
wartende Geburten
einsam
zwischen den Felsen
Wehen
und Weh
doch zeige
dem rastenden Wanderer
eine Seele
nur jeden Morgen
nachdem er erwachte
bevor er weiterzog
Freude und Klage
geschichtet
über dem Abgrund
über dem Ungrund
vermengt und verwoben
ineinander gelegte Gedanken und Träume
bis Zeit und Tod ohne Grausamkeit
und jeder Kiefernhain
nah deiner Steilufer
schöner
als die lichtbrechenden Kappellen
verlassen
umgeben von kleineren Schafsherden
grasend
zwischen den Grabsteinen
ach
altes Mütterlein
flüstere doch die Geschichte
der Jungfrau im Venusmantel
hast doch ein letztes Blinzeln
deiner Mädchentage
im rechten Auge
und gabst dem Ziehenden
noch zwei Scheiben Brot
und einen reifen Apfel
Gnadenreiche
zum Abschied
und murmelst jetzt noch
den Schritten hinterher
leidlos hat niemand gelebt
trostlos soll keiner sterben
Oculi omnium
draußen
wartet er noch
den niemand kannte
frei von Vergangenheit
trauriges Welken
seiner Augen
und zwischenzeitlich
sein Leben
sternenlose Regennacht
und drinnen
ist Erntedank
Nunc Sancte nobis Spiritus
und wie oft
du dich geirrt hast
als ob gezogene Lose
die gepflückten Blumen
und ihre Augen geschlossen
noch bevor du die Wünsche hineinlegen konntest
aber wenn keine Zeit mehr bleibt
für ein Anschauen
und zu früh gleitet die Stimme hinab
wie ein Stein am Hang
mitgerissen vom Geröll
und verzehrt im Wasserschlund
und fast hätte noch ein Traum begonnen
als du jäh erwachen musstest
nicht weil schon Tag gewesen wäre
doch weil dein Haus zu eng fürs Zeitliche geworden
das dich umrankte
denn du warst Säule jetzt
in den verwitterten Tempeln
oder der tote Eschenstamm
in verödeten Auen
und alles Künftige
das nach dir kam
ein Wuchern auf Gestein und Holz
weil es nicht sein durfte für dich
sich entwurzeln und entzweien zu lassen
und geworfen zu sein ins Treibgut der Geschichte
denn nicht erst suchen soll der Schatten
nach dem Körper
dass sein Geist ihn nicht vermisse
nach dem Abschied
Terz | brevis
bedrückter Landschaft
unbefragte Orakel
Speicher. erschöpfte
Fleisch der Träume. ausgelöst
erstens: Scheu
zweitens: Unbehagen
was bedeutet die Wahrheit?
Fächer des Pappellaubs
über vertrocknetem Gras
jede letzte Blüte. duftend
flüsternd Nacht. verloren
Tag. gelöscht
einzelne Blätter.
Zungen derer
die was ahnten
der Ehrlichen Haut
zu Sand
zu undurchdringlicher Erde
Schlaf
peregrinari [Bekenntnisse | Meditationen]
I
noch einmal das Meer. der einzige Gedanke. der so lange schon zurückliegt. nie Verstummendes. in den dunklen Tiefen. dein Eigenstes. vordem erzählte Liebe. in ihr dein Tod. und einstmals die Freude verlassener Sehnsucht. endlich verstanden zu haben den Schmerz der Mutter und des Vaters Einsamkeit.
das Meer. noch einmal. vorzuziehen ein schlichtes Schauen den ewigen Fahrten und dem Heimweh. das Entsinnen dem Entkommen. und die wandernden Schatten den Wegen.
fraglos musst du nicht sein. doch ohne Sorge um den Himmel. solange es ihn spiegeln darf. die Sterblichen ruft es. Gefährten zu sein. Gefundene. und Vermisste. Halbmonde. halbe Leben. geteilt. um wieder wachsen zu können. ihnen zu. und sich selbst. allein. im Gedanken. einzig.
II
alle Schätze der Heimat. in den Schmerzen. hilflose Mutter Erde. was immer sie gebären musste. Trauer der einsamen Ulme auf brachem Feld. alles hätte nun eine Stimme. und redete zur Welt. Mondauge. und still fließender Bach. Taube und Hund. alle rufen den Abend herbei. über der weiten Landschaft. als beginne das Leben nach jedem Sommer von Neuem. jedes vergangene Jahr scheint wie aufgelöst. wenn die letzten Gewitter durchgezogen sind. ein rostiger Pflug am Rain. verrottetes Totholz am Rande der Wälder. und dennoch wieder der Durst nach stundenlangen Dämmerungen. nach Schattenrissen von Hügeln und Glockentürmen in der Ferne. dann plötzlich dieses Gefühl, ein Boot besteigen zu wollen. oder in die finstersten Wälder zu gehen. Land gewinnen. oder verloren sein auf dem Wasser. Wohnungen auf stillgelegten Kuttern oder in verwitterten Waggons auf abgeschriebenen Äckern. da nimmt die Zeit gefangen. wenn die Gedanken am freiesten sind. und sichtbar werden die noch unbeschrittenen Wege. die Wolken ziehen dahin. wohin man hätte ziehen können. doch zuvor muss einem Geliebten noch etwas geschrieben werden. vorausgesandt mit Grüßen voller Sehnsucht. dem immer Wartenden.
III
düster war es. trübe der Blick. über den bleiernen Gliedern. nach dem Schlaf. am Nachmittag. hätte wegrennen mögen. stand vor endlosen Treppen. windend hinauf. rankend an Türmen und Schächten. denn oben sei das Versprochene. doch man dürfte die Stufen nur erklimmen, dem Unerschöpflichen zu. und dürfte nie hinunterschauen. und Gottes Hals wäre länger, je tiefer der Zweifel säße. und man wüsste sein entferntes Auge. und könnte kaum glauben, irgendwann einmal auf den Nerven dahinter zu balancieren. man eilte seinen Gedanken hinterher. wie den eigenen, fast schon wieder vergessenen Träumen, kurz nach einem jähen Erwachen. und zwischendurch kommen die Wünsche hoch, man hätte nur das Nötigste gepackt für die Reise. doch wo käme man am Ende zur Ruhe? wo säße man still, als an einem Ufer kurz vor dem Beginn der Nacht? und wen wünschte man sich dann an seiner Seite?
IV
du blickst zurück. und über die Mauer. in die leeren Gärten. das friedliche Leben ist einsam. Kindliches kehrt wieder. du schließt die Augen. wenn du etwas sehen willst. da hocken die Möwen auf den Buhnen. als ob wartend auf dein Zeichen. der Tag riecht nach Tang. nach Gestrandeten. nach den Irrenden. die zu lange nicht mehr gestillt ihren Hunger. und es ist möglich, dass die Zweige der Sommerscheibe ein zweites Mal Blüten treiben. nicht zu vergessen die letzten Tafeln. die vorsorglich ungedeckten.
erzähle mir wieder. deine Wege. ich gehe mit dir. dorthin. von wo keine Wiederkehr ist. wenn die Glocke verhallte. will ich lauschen. will im Schicksal sein. bis es mich ruft. die schroffen Pfade hinauf. bis der Bergkamm überschritten. und ich dir folgen kann. zur Seite der Abendsonne. doch wollte ich noch vor Einbruch der Nacht zurück sein in den heimatlichen Ebenen, müsste ich wieder umkehren. oder selbst beginnen zu erzählen. von den Landschaften in mir.
V
lang sind die Sommer. länger die Briefe. die du geschrieben. unabgesendet. am längsten aber sind die Straßen und Pfade, auf denen dir dein Schatten vorausging. wie um zu erkunden, ob die Landschaften und Orte deinen Sehnsüchten standhalten können. da gehst du hin, bevor der Tag es tut. und hast an seinem Ende noch sehr viel zu wünschen und würdest noch viel weiter ziehen ohne Müdigkeit. den Stimmen nach, die sich in deinem Gehör sammelten. solche, deren Echo auf die Dämmerung trifft. gelöst in allem, was vergangen. in sternenloser Nacht. und vergessen sein wird. wenn die Klage verhallte. doch so musste es enden mit dir. damit du erkennst, woher du gekommen. wohin es noch hätte gehen können. ein weiteres Leben. in Freude, vor deinem Entschlummern. im Schmerz, nach deinem Schauen.
und weißt du auch, warum du schweigst? und warum es dich trägt in anderer Sprache? hältst du die Nacht auf? hältst du an die Zeit? dass einer mit dir wache.
vergiss dennoch nicht, dass die Amseln noch viel länger singen, als hell ist der Tag.
VI
durch Ödland. die Heimwege. zur Heimwiege. da hängt der Mond zwischen Wäscheleinen. die Züge rasseln hinter den Häusern. zwei Straßen weiter. und landende Flieger ziehen über den Dächern vorbei. einer nach dem anderen. wie an Schnuren herabgezogen. mit den Schatten uralter Ungeheuer. die durch alle Wohnungen rasen. wie die hilflosen Rufe des Daidalos an den leeren Ufern von Ikaria.
Wechselgesichtige. Nicht Unbeschreibliche. Blicke hinaus. wie die Blicke hinein. doch ging ihnen verloren. Davor. Und Einst. die anderen Namen. unter ihren Füßen versteckt. oder ins Wasser gestoßen. wie lästiger Stein. aber nur. wenn es keiner sieht. und dass sich die Tore nicht öffnen. wenn jemand naht. ist bei ihnen die Zeit ein versickernder Regen. in den harten Furchen dürrer Erde. unerinnerlich.
VII
du hast die Räume noch nicht durchschritten. in denen sich die Zeit dehnt. dahinter zu finden heimische Küste. Duft von Tang. Sand. Hafer. Kiefern. Heidekraut. stiller Glaube. und leiser Zweifel. Gesichter aus Stein. dahinter das Lächeln zu suchen. ihr Rauhes. ein gänzlich natürlicher, zärtlicher Klang. sie sagen nichts. sie erinnern alles. sie leiden im Verborgenen. sie schauen dir hinterher. wenn du vorübergegangen bist. als ob einer sinkenden Abendsonne nach. sie sind in den späten, wärmeren Farben. im Gedeckten des Herbstes. groß werden ihre Augen in der Rückschau. aber niemand muss ihnen jetzt erscheinen. von weit her. um ihnen zu sagen. woher sie kommen. sie sind alle Vertriebene. Gestrandete. mit zerstoßenen Seelen. und rissigen Händen. du aber kannst schweigen. unter den Schweigenden. mit Krügen voll Wasser gehst du durch die trockenen Gärten ihres stummen Brütens. zu gießen alles Unmögliche. das du dir vorstellen kannst.
VIII
keine Stimme. die sich erhebt. wenn du erwachst. allmorgendlich. es ist nun nicht mehr bedeutend, was man von dir hält. man hat keine Verwendung für dein Gedächtnis. ihre Toten sind tot. sind Tod. und wie Schnee ihr Strohblumenhaar. oder wie Zuckerwatte. die Wirklichkeit zerrt an den Nerven. noch einen Sommer. noch einen Winter lang. schreiend vor lauter Leere. so laut. ohne Klang.
nicht viel los hier. Sterne, zahllose. taumelndes Laub. windsüchtig. weicheres Licht den späteren Wangen. dunklere Winkel für die sündigeren Gedanken. und wie Schlangen um deinen Schlaf die Ranken und Zweige. von Erträumtem. von Vergessenem.
wir gehen hinaus. den Weg zu schlagen. durch die Hecken. wir gehen verloren. wiedergefunden zu sein. einsam. in unserer Schuld. die späten Freunde. in unserer Sühne. Schatten einander. leichter sterben zu können. und das Schönste zu vermuten. beim Klang ferner Schritte. ohne Angst nun. vor dem nahenden Ende. der Wartezeit. ungeölt blieben die Scharniere. für diesen Moment. und die Fenster gekippt. aufgeschlagen die Betten. falls eine plötzliche Müdigkeit. oder wenn es darum gehen sollte, die Seele fließen zu lassen. wie einen Bach. die waldigen Hügel hinunter. und als ob hinterher dem aufgeregten Geflatter der Meisen. wie tanzend durch schwere Träume. und zu flüstern. wer der Andere wäre. wer du selbst sein wolltest. wenn die Nebel steigen. wie gelüftete Schleier.
IX
als dich nichts mehr zurückhielt. herauszutreten. aus der Last des Erinnerns. dich zu erschöpfen. in schweigender Wanderschaft. die Augenblicke zu sammeln. in den Schritten. sorglos die Finger zu legen. in den Staub. der die Wunden schloss.
dunkler. des Pilgers Gesicht. wenn er heimkommt. Schatten des Freundes. der ihm die Hand reichte. und so kostbar das Wenige. das er geben konnte. Welkendes. das sich verwandelt. unter den Sohlen. Anderes spiegelnd. wenn er Wasser holt. und im Brunnen die Augen dessen erkennt, der ihn nicht mehr fand. der Düfte zurückließ. von Gräsern. und Blüten.
du schöpfst mit deinen Händen. so lange. bis der Sand zu Schnee geworden ist. in der Schönheit des Sternjasmin. in der Reinheit des weißen Lotus. rastlos zu sein. solange die Trauer. wortlos. solange die Träume. blühend im matteren Licht. in den Tropfen geschmolzenen Glases. im Herz eines schon brüchigen Gesteins.
X
im Traum nur. warst du nicht mehr müde. da tagte es ein ganzes Jahr. und kühler Wind in den Zweigen deiner Wünsche. in die Mitte des Lichts, wo die Stille jeden Klang umschließt, fiel, was du geflüstert haben musst. wie eine Kugel in den Brunnen. da sitzt ein Kind. und singt allein vor sich hin. und hat die Gespenster hinter sich zu Stein verwandelt. ihre Augen wurden zu Flechten. und ihre Tränen zu Straßen, aus der Zeit geflossen. vielleicht ahnt es bereits, dass sich alles rasch halbiert, was in der Welt an seinen Ort geworfen wurde und spürt schon ein langsames Entfernen. es schließt die Augen, um seine Welt zu sehen und zu wissen, wie nah die Nacht und ihre Ufer. es denkt in seiner Einsamkeit, dass jemand bei ihm sitzt und seine Haare zu Zöpfen flechtet. und wie die Wolken scheinen alle Dächer weitergezogen zu sein. damit der Himmel frei ist für sie. denn unter ihn haben sie sich hingehockt. und sagen nichts. noch nicht. sie haben sich verabredet, um zu sehen, wer länger die Luft anhalten kann, wer als Erster zu fliegen beginnt, unter dem Zug der Wolken. und nach einem kurzen Schlaf schauen sie hinter das Laub der Hortensien und rufen sich zu: bist du noch da? und halten die Decken bereit, bevor die Kälte einbricht. der Duft dieses Augenblicks wird Jahre später bei ihnen sein, wenn ein anderes Alter sie sonntags erwachen lässt, über versickerten Träumen, wenn all die früheren Farben nicht mehr ineinander fließen und sie sich täuschen lassen von der grauen Haut, die sich um die Jahre wickelte und alles ans Ende stellte, was ihnen blieb: Sterne zwischen den Streifen, als ließe der Himmel die Wege fallen der Kranichzüge und der zwischen den Seelen pilgernden Engel. sie gehen gen Norden die Gleise entlang. als ob zurück zu jenen Tagen, als die eigentliche Wahrheit ruhte in der Not einer Lüge.
XI
du hast am Fenster gesessen. die Welt fuhr vorbei. auf ihrem Rücken die vielen Augenblicke. und ein paar Abschiede.
noch sehr viel Zeit. oder ein wenig. was noch sehr viel sein kann. was vermisst du? und vor allem: wen? da stehen leere Gläser. Schüsseln mit Obst. Gäste sollten kommen. sie werden morgen weiterreisen. und ihr Erzähltes zurücklassen.
in dir wachsen Ideen, wohin es dich zöge, wärst du ein Pilger. die Zeit fährt immer fort. ganz gleich, wo du weilst. oder ob du dich bewegst. du würdest dorthin wandern, wo die Weile eine andere Länge bekäme. und nach einer gewissen Strecke würdest du denken: sie folgt mir. ich gehe ihr voraus. aber dann kämen die Aufenthalte. und sie würden von Mal zu Mal länger. bis dir die Stille sagte: sie lässt sich betrachten. an allem. was vergeht.
XII
hast du nicht auch von einem Abend geträumt? einer anders bewegten Stille. wenn du nach oben schaust. die Gipfel. als ob fliegend den Enden des Himmels zu. und Wogen. die sich brechen. dort. wo wir uns begegneten. wo wir uns sagten, was wir heute erkannten.
grau mag sein das schon lange Vergangene. fahl die Zukunft. die uns in diesen müden Tagen erzählt wird. doch dass wir uns erkennen am Warten aufeinander. an der Sehnsucht. nach des Anderen Stimme. und keine andere Sprache zu haben scheinen als die gemeinsame. weit. weit voraus. den üblichen Worten und Tönen. viel tiefer noch. dort. wo Augenblick und Erinnerung in eines zusammenfließen. wo der Spiegel, vor dem man steht, den Anderen zeigt, wie er dich anschaut. und nach dem Schlaf noch eine unbestimmte Zeit Haut an Haut, im einigen Atmen zu liegen.
der Morgen kommt. der dich ins Leben ruft. mit der Stimme des Anderen. du wirst ihn wandern sehen. auf dem Grat, der Tag und Nacht trennte. und wirst es nennen: Ufer meiner Wiederkehr. wenn du weißt: du hast die Gärten des letzten Frühlings durchschritten. und vielleicht wirst du dann auch wieder wissen, wie lange er schon fort war und wie lange du unterwegs. jedoch ohne Heimfahrt. und nun scheint dir ganz dumm und müßig die Frage, warum er nicht Abschied sagte.
Nunc dimittis
blende zurück
wenn es Abend wird
Frage
wovon sich zu lösen
nicht mehr bedrängt zu sein
nicht mehr entfremdet
die Schot zu halten
zu spannen das Segel
Unsagbares im Wind
ins Tuch geschrieben
Name und Sorge
in einem Hauch
Kind zu bleiben
wenn die Eltern fort
zu kreisen als Mond
auch wenn das Licht erkaltet
doch nicht mehr zu zweifeln
wenn es sich spiegelt im nächtlichen Wasser
sanft gewogen und gesammelt
in nicht mehr gezählten Stücken
etwas zu sehen
das mühloser ist und friedlicher
zärtlicher und gerechter
im Schutz stiller Gedanken
Dächer wie Schirme gespannt
den Regen fallen zu hören
und gleitend auf dem Floß der Träume
Wechselblütler
in den gebrochenen Farben des Himmels
Perlen und Tropfen
auf Blatt und Stein
das Schicksal zu sammeln
und Rinnsale den Bächen zu
die Hügel hinab
und unten der wartende See
bevor es tagt
und vor dem ersten Glockenschlag
der Ton des Wächters
aus dem gebreitet
endlos
Klang des Erwachenden
γένοιτο
da draußen aber
muss noch ein Boot sein
als die Nacht aus dem Wasser stieg
es muss noch das große Leuchten des Tages
an seinem Ausgang bewahrt haben wollen
und fährt den Süden sicher nun ans letzte Ufer
dann wird still sein die See hinter den Nehrungen
die ihre Arme legen um ein schlafendes Land
doch auch wenn Drift und Gezeiten es forttragen sollten
muss es die Heimat sehen
sein Unvergessliches
wo auch immer es gefunden worden sein wird
mag es die Zeit verlassen
nicht jedoch den Kern seines Gedächtnisses
wo das Treibende sich fest vertauen konnte
sein Ende mochte es finden
an der Scheide der Wetter
an der Schwelle zum Nächsten
das bis dahin unbekannt bleiben musste
einzelne Wolken
werden an manchen Nachmittagen daran erinnern
und die Schreie der Möwen
werden sein wie die Fragen der Kinder
wo es denn sei
verstört mag Manchem die Küste erscheinen
versteinertes Rufen
auf Buhnen und Stegen
leer
trotz allen Getümmels
und einsam mag jemand hocken
am Schoße der Düne
und denken
dass die Küste niemandem gehörte
aber allen das Boot
da draußen
quod sum causa tuae viae
wer wollte schon aufhören
wer sich zurücknehmen
mit dem Gesicht von fahlem Morgenlicht
mit der Klage der Schatten unter den Augen
mit von Worten wunden Lippen
und hinter der Starre und dem Schweigen
das nicht Vergessliche
aber leicht wehen die Trauergewänder
in den Winden zwischen Sommer und Herbst
und die kühle Luft auf dem langsam fließenden Wasser
scheint wie der Atem einer Stimme
kurz vor dem Ruf hinaus
es ist noch nicht genug
und wird es nie sein
und ein Echo könnte sagen
du wirst ein neues Haus betreten
da will ich bei dir sein
die erste Nacht
bis die Amsel wieder singt
und bis dahin wache und sage mir
was mit dir verging
und erzähle mir auch von deinem letzten Traum
denn er soll sich nicht vergessen
sieh mich an
bis du dich ganz gehüllt hast in meine Liebe
flüstere die Namen derer
die ich grüßen soll
die dir wie Sterne waren
und deine Seele tranken
und weiterzogen
über das Ufer der stockenden Zeit
wo du gestanden in der Herzensschwere
weil du dich wieder erinnern konntest
an den einsamen Augenblick
in dem du mich erkanntest
recordare [cantus firmus]
und wenn der Tag sich neigt
und unsere Schatten lang genug
sich zu berühren
einmal noch
gedenke ich
an deiner Seite wachend
des ersten Frühlings
und seiner zaghaften Blüte
ich wehe fort
und bin im Laub das Rascheln
du drehst dich um
und weißt die ferne Heimat wieder
und hast das dunkle Auge
der vergess’nen Aster
die nach der Zeit sich streckt
so gut sie kann
so greifst du an den Knauf
der off’nen Pforte
die leere Warte vor dir
wo das Ruhlose sein Ende fand
und wenn der Tag sich neigt
siehst du im Staub die Spuren
und hörst ihn sagen:
hier kehrt‘ ich heim für dich
refugium meum | ἀντίφωνος [Doxologie | Kadenz | Acht Waka-Variationen]
und die Gespräche endeten.
als der Regen begann.
den Sang zu erinnern.
der dich vergessen ließ.
die Leere. als du heimgekehrt.
wie glücklich waren
die verwandelten Steine.
fremder Blüte Auge.
geh‘ nicht hinaus. schaue nur.
wer den Garten noch nicht verlassen.
um andrer Liebe willen.
Schatten der Flügel.
über den unruhigen Wassern.
Wohnung des Lichtes.
im Tau. was keiner Worte bedarf.
was wird erwartet?
Landschaften. ohne Grenzen…
Kind. das die Frage kennt.
wozu? die gefalteten Boote.
wie? erster Liebe Antlitz.
jeder Tag. ein letzter.
jede Stunde. die erste.
fremde Blüte. die dir zuruft:
sage doch. wer du bist.
wachtest an meiner Knospe Schlaf.
kahl. nun die Felder.
Fülle der Haine.
Früchte. prall von Gezeiten.
verlangend. den Fall.
wo die Wolken ziehen über das Hohe hinweg.
fern. deiner Heimat.
Hütte. nah bei den Ufern.
Stern. der dich entzündet.
reich in dem Wenigen.
reicht dir ein Blick. eine Gedanke.
Schweigsamer. Laufe nicht fort.
die Tür bleibe offen.
und unverhangen das Fenster.
alle Gaben der Stille.
jegliches. was ihm hinterlassen sei.
spes mea et fortitudo [Preiset den Herrn! Und seine ErFindung]
aus dem Staube gemacht
Sehnsucht des Gottes
schirmender Schatten
kein Verlangen nach Zeit
ein kurzer Besuch
des ewigen Opfers
wusste er etwa nicht
was er wollte
bangend auf der Warte
der unerschöpflichen ErSchöpfung
hätte er uns nicht sagen können
wie man fortkommt
aus dem Wandellicht der Dämmerungen
proficiscere, anima [versiculus]
jetzt ziehen schon wieder die Schwalben
am Ufer stehst du
zwischen den Weiden. gebeugt
und siehst die Pfade zurück
die Spur, die sich dort zeigt
der Gräser am Wegrand, der falben
und hast einen Blick
als winkten dir Freunde zu
mit seidenen Fahnen, halben
die du durchschnitten
bevor sie dir Abschied sagten. und: gute Ruh‘
bevor du mit anderen Schritten
heimkehrst. und blätterst in staubigen Alben…
meine Zeit | in deinen Händen
[für Wolkenbeobachterin | in Dankbarkeit]
Seele
das Kind
das Gras wächst
wieder
wes‘ Namen trug es
sein Lied entstand am Ausgang unbewohnter Wälder
darin die Blüte aufging
und über laubbedeckte Böden ging hinweg ein Wind
wegloses Wandern
Gedanken. irrlichternde
auf jeglichem Erwachen
Apfelernte. versäumte
und plötzlich lag Schnee
der Hoffnungen. der ungezählten
in dubio
I
der Töne Grund
die ihrer Lieder ledig
von Hoffnung wund geriebene Hände
das Glück. vergessenes. weiß dich noch
in den entferntesten Winkeln. hört es dich atmen
reißt sich die Ängste aus dem Schauen der Nächte
II
was habe ich hier verloren?
deine Stimme im Schatten, den ich werfe, flüstert: Tod
träumend muss ich gegangen sein an ein Ufer ohne Wiederkehr
anders zu schlafen. ohne Sehnsucht
keiner soll mir folgen. in die dunkle Behausung
wo ich nichts erinnere. als die Idee von Gott. die es einmal gab
ich nahm dorthin nichts mit
und wo ich zuletzt gewesen sein muss, schleifen die Wellen die Spuren
fern ist dort die Rede von einem Morgengrauen
wo, wenn es regnet, keiner an Tränen denkt
ich liege in der Ermattung der Zeit
schmerzlos unter den morschen Armen der Mütter
das Laub meiner Lieder fiel in die eisigen Hände ferner Monde
und meine Finger sind wie zerstoßenes Gestein
darin noch ein Gehör in stumpfer Wachheit
für den Wind, der kommen mag
doch ist ein Trost in der Stille
und die Seele noch sehr jung
als sie zum Geschenk wurde
zur Gabe
inmitten einer umfassenden Verwitterung
Trümmer der Webstühle
Trümmer der Altäre
Trümmer der Wangen
der Hände der Füße der Wege der Gedanken
nicht mehr wachsen wird das Gras
und die Knospen haben verkohlte Augen
ein Scheitern der Zeit
zurücklassend weder Zorn noch Fragen
unvorstellbar werden sein
Landschaften und hilfreiche Opfer und wartende Boote
fallende Sterne und steigende Nebel
nicht einmal das Unvorstellbare
das Kinder sich erzählen, nachts, in Zelten, wenn die Schatten der Gespenster
zwischen den Ästen der Eichen schaukeln
aber immer wird eine Brandung durch das erstarrte Schauen gehen
und Felsen stehen darin, wie Säulen, die sich zuwerfen möchten das Echo ihrer Klagen
dass ohne Trauer ist die Zeit. ohne Hauch. ohne Klang
III
bist du glücklich?
leicht ist der Körper im Traum
etwas bewegt sich
klopft ans Fenster
oder zieht die Schatten ab
vom Boden
von den Wänden
wie Klebebilder die du drehen sollst
um sie als Wolken an den Himmel zu heften
oder gefaltete Boote
zwischen die Wellenkämme gelegt
oder aufgezogen auf Fäden
von Licht und Staub
deine Stimme
rieselt in die Spalten
zwischen Müdigkeit und Kuss
die Hand greift in den Abgrund
ein anderes Reifen und Rufen
der Zweige über der Brandung
ein engerer Raum
wo Land und Meer sich streiten
als ob um Licht und Schatten
allein geblieben
mit allen Gedanken
Sterben und Lieben
geopferte Zeit
und die Frage
wofür
aber sind nicht Gebete
wie endlose Flure
von denen die ungezählten Zimmer abgehen
für Schlaf und Wachen
und hinter manchen von ihnen
die Gärten und Küsten
dorthin hinauszutreten
wo Irdisches und Himmlisches sich sehr nahe kommen
ein Sprung nur über den gefallenen Stamm der Esche
ein Schritt nur von der letzten Stunde des alten Jahres zur ersten des neuen
ein Griff nur durch das Glas wie durch Quellwasser
in den Händen zu halten diesen kurzen Moment
bis es die Augen erfrischt und reinigt von den wirren Träumen
dem Heiligen dort am nahesten
wo das gebrochene Licht seine Schmerzen am stärksten empfindet
IV
und nie vergessen
konntest du jene
die dich verließen
die ausstiegen aus ihren Seelen
und ihr Schauen verstauben ließen
oben hast du gesessen
still
in deiner Verzweiflung
und blicktest über das Land
und legtest sein müdes Gesicht in deine wunden Hände
Hirte Du
ohne Flöte und Stab
Sänger Du
ohne Lyra und Echo
fragend
immer und immer wieder
warum du dich in die Welt schicktest
warum sie nicht überlassen
dem Feuer und den Winden
und so einsam bei Nacht
hinter den Altären
und in allen Zeichen der fließenden Zeit
vor allem aber
dem eigenen Geist nicht zu entkommen
V
spät erst
habe ich zu leben begonnen
fern
ist der Garten der Heimat
seine Vögel
höre ich singen und schwatzen
täglich
nach dem Erwachen
mich überflutet
die Welt
ein einsames Boot
habe ich mir gebaut
und auf einen Hügel geschoben
der aus der Brandung ragte
über den Liedern
wuchs Gras
aus dem Hauch
der die Wange der Mutter streifte
mein Finger
fast wie ein Halm
der das erste Licht
das über den Horizont kroch
berühren möchte
die Gewitter sind fern
und die Ufer ohne Rückkehr
einsame Bäume
werfen Schatten
und einzelne Wolken
als hielten sie sich fest am Himmel
ein Ort für mich
mit etwas Platz
für letzte Träume
so gut wie vorbei
ist das Leben
und früh am Morgen
blickt es mich an
aus dem Winkel des Unversuchten
zwischen den Gräsern
der Stein
sieht aus wie Brot
in meinen Händen
zerstoßene Muscheln
es fehlt nicht mehr viel
dann hat sich verzehrt die Zeit
mir fehlt nicht mehr viel
außer die besseren Worte des Geliebten im Ohr
Vorletztes Ufer [2 Waka-Variationen | Spiegelung. verzerrt]
Waldweg an langgezogenen Hängen
Duft des Sees
in den Zweigen der jungen Buche
Schatten der Heimkehr
auf dem Pfad vom Brunnen zur Schwelle
zur ersten Stufe der Treppe hinauf
da hättest du stehen sollen
in deinem Durst
in deiner Absicht
so klar wie das Wasser der Quelle
Lied der Stufen | veni creator spiritus
I
siehst du nicht auch: das Laub verdorrte
Ruf des Erbarmens. des Schweigenden…
wie klingt sein Gedächtnis. in den Falten der Ewigkeit
wärst du nicht auch sein Gefährte, der mit ihm verharrte
in seinem Schatten, dem tiefer sich beugenden,
weil ihn der Dienst am Lichte so freut?
bald nun die Eiszapfen. glühend über den Schächten
an jedem Ort der Trauer, wo er nach Leben begehrte
Fugen dazwischen. sinkend in Worten und Tönen:
träumt er davon, was sie ihm Kostbares brächten,
wenn er sie reicher und zärtlicher nährte,
summend sein fernes, einsames Sehnen:
komme. lautlos. windstill. ein Regen wie Firnis auf deiner Haut.
sehen wir, blind, um zu erkennen, wenn unser Auge ergraut.
II
warum die hohen Feste sich so schnell vergessen
so fern die Zeit, in der man bleiben mochte
steig‘, Gott, herab, gelöst aus deiner Trauer
aus deiner gold’nen Zweige Fesseln
was immer einer, der auch schöpft, sich dachte
gelt‘ deinem stillen, matten Blick die nächste Feier
wenn wir die Gärten deiner Jugend dann verlassen
sind wir einander die Verliebten wieder
die an den Fenstern wie an leeren Ufern stehen
wir werden wissen dann, was wir vermissen, ungelassen
im Sang der späten, zärtlicheren Lieder
weil wir, wie lahm auch immer, leichter gehen
am Rand der viel betret’nen Straßen
wo wir zuletzt allein im Blick des And’ren saßen
III
ich fühle die Möwen über den funkelnden Wellen
dein Boot. am ferneren Ufer
darin ein altes Schilf geduldig wachsen konnte
ich spüre: ein anderes Leben will sich erzählen
die leisere Stimme: sie kündete tiefer
und tropfte ins Erdreich, wohin ich mich wandte
da rufen die Wurzeln wie eingegrabene Laute
darin dein Gedanke: ans Licht zu klettern
dem besseren Kinde reifere Früchte zu bringen
der Garten, versteckt hinterm Haus, das ich dir baute
als Zuflucht vor jeglichen Wettern
blieb einsames Ufer, wo mir die Amseln singen:
komm‘, Frühling. das Echo der ziehenden Jahre
komm‘, Herbst. dass ich mein stilleres Auge erfahre
in viam pacis
I
du gabst ihnen Herzen
darin die Rede von einem Geheimnis ruht
keine Arbeit vergeblich
keine umsonst verzehrte Kraft
spät kam der Regen
und fiel bis zu ihrem Erwachen
du wirst sehen
ob sie nicht vergessen haben
ihr Glück zu teilen in Dankbarkeit
ach
lass sie doch erzählen
Genügsamer
vom vollen Mond hinter ziehenden Wolken
von den leicht wippenden Zweigen der Birken
unter denen sie friedlicher gehen
mit der zärtlichen Lüge von einer besseren Kindheit
die wenigen Wünsche
leise gesprochen
und als ob von dir selbst
auf die Zungen gelegt
nimm ihnen nicht
die Kraft, schwach zu sein
lass es ihnen so geschehen
als hättest du selbst geflüstert
so geschehe es
aber im Klang vieler Stimmen
so viele
wie es Farben hat
im Reich der Blüten
ach
Schönheit ihres frühen Opfers
um der späten Früchte wegen
den reiferen Duft und dunkleren Glanz
noch haltend einen Regen lang
daran erinnernd
was vor ihnen war
was ihnen folgen wird
wenn tiefer das Licht im Wasser steht
Abschied zu nehmen
von allen Jahreszeiten
mögen sie spüren
des Windes Schmerzen
wenn er durch das Gefallene greift
wenn sie das stillere Wissen erfasst
was sie nicht lassen können
was du ihnen gelassen hast
für Schatten und Schutz
an den heimischen Ufern ihrer Fremdheit
wo sie nicht mehr sagen können
was ihnen entschwand
wartend
erwartend
was ihnen entgegenkommt
wenn es sich umdrehte
ihnen zuwinkend
auf dass sie ihm folgen mögen
die Wolkenwege, die Lichtwege
wo die Luft sich bewegt
als atmeten selbst die Felsen
auf dass sie gemeinsam denken
es braucht nur diese kurzen Aufenthalte in den Augenblicken
um in der Zeit zu sein und sie zugleich lassen zu können
und sie wissen doch sicher
dass sie alle Hände haben
zu schöpfen das kühle Wasser der Bäche
in denen
als sie noch schliefen
das erste Licht des Tages badete
II
du hörst doch die Gebete derer
die ihre letzten Samen auf die Wege streuten
bevor sie sich der Wiegen nicht entsinnen konnten
wen stört der Staub?
der sich auf ihren Hunger legte
Wind und Wellen
gehen über ihren Schlaf hinweg
Uhren und Glocken und Atmen
im wunden Gehör
so lass doch
ein Gras wachsen
ein Laub
einen einsamen Blick
der ihnen sagte von deiner Liebe
von der sie früher einmal sangen
aber allein sitzt jetzt die Amsel auf dem First
stumm und als ob versunken
in der Schwere der sich zum Winter schleppenden Tage
unerträgliche Sonne
über den sandigen Ebenen
vertraute Wälder der Kindheit
brennendes Haar der Nymphen
was auch immer
die Träume der Sterbenden heimsucht
treib sie nicht fort
aus dem Duft der Äpfel
und den Farben der Dämmerungen
leg doch dein Schweigen in ihre Starre
unter die Haut der frostigen Wangen
für kommende Blüte ein Odem
für den Ruf ihrer Namen dort
wo ein duldsames Gestein
um ihre Seelen bittet
prayāṇa
was stach dir ins Aug‘?
Nebel über den Ufern.
Spitze des Segels
jñāna
das Schweigen. der Verlassenen
Fremde vor ihrem Schatten.
sammelnd die Früchte des Lichts
utthāna
still. dein Augenblick.
Haut deiner Flügel aus Glas.
weht. draußen. ein Wind?