
die Stimme
die stumme
in sandiger Hülle
entlang der Scheiden zwischen Meer und Land
unterwegs mit den Winden
mal Flosse
mal Flügel
die Lider gelöst
die Blicke gefallen
durch ihren Sang
gegen die Wogen
ihr flüchtiges Schwingen
einsam und fern
Lyrik|Essays|Kritik

die Stimme
die stumme
in sandiger Hülle
entlang der Scheiden zwischen Meer und Land
unterwegs mit den Winden
mal Flosse
mal Flügel
die Lider gelöst
die Blicke gefallen
durch ihren Sang
gegen die Wogen
ihr flüchtiges Schwingen
einsam und fern

noch ein kleiner Schlaf. vor den Scheidewegen. noch ein vergessener Traum. um die Wunden gewickelt. denn wo die Entwurzelten an den Ufern stehen, tropft die stumme Not der Hoffnung von den Weidenzweigen.
legt eure Kindheit zu den Steinen am Abhang. geht euch nicht von der Seite. dass Schatten an Schatten lehne. vor der Stunde des einsamen Flügelschlags.

沈黙
ich bin kein Letzter. auch wenn mir die Zukunft nicht mehr gehört. die Gegenwart mag ein Irrtum sein. die Zukunft wird sie zurechtrücken wollen. wenn sie stattfindet. als Gegenwart.
ich bin ein Geschöpf des Dazwischen. die Pfade sind eng. zwischen Zeit und Zeit. und alle Wege sind unentwegt, bleiben sie unbeschritten.
ich mache Rast in den Augenblicken. dort, wo das Leben entsteht. dort, wo es zur Ruhe kommen möchte. wandernd erdenke ich Trauerreden. wartend will ich sie schreiben.
anderes könnte ich tun, gegen die Sorge. zwischen Schlaf und Schlaf. Sterne zählen. Steine sammeln. Steine waschen. Stricken. oder Gestricktes wieder aufräufeln.
ich will still sein. und lauschen. schweigend lasse ich den Sand durch meine Finger rieseln. schweigend lasse ich die Stimmen fliegen. wie Schwalben, die ihre Jungen füttern. doch schon im Sommer bin ich der spätere Herbst. und reib‘ mir den Reif von der dünnen Haut. mit dem Birkenlaub, solang es noch Licht trinken kann.
姓
im fernen Rufen mögen die Namen sein. ihr Nachhall ist wie Wellen, die die brandungslose Küste verlassen. der Himmel nimmt alle Spurlosen zu sich. wenn die Zeit sie entlassen hat. wenn niemand mehr nach ihnen sucht. wenn sie niemand mehr vermisst. an einsamen Abenden. wenn niemand mehr vermisst wird, der sie vermisste. weil jede Kette von Vermissten einmal reißt. selbst für jene, denen man Denkmäler baute. Werke mag man erinnern. vielleicht sogar Worte. nicht aber Menschen. ihre Namen sind ein fernes Rufen. ohne Gehör.
過去の愛
er ist jetzt sehr nah. ich müsste nur über eine Schlucht springen können. zwei x zwei Meter breit. oder zwei x drei. ich kann es nicht genau sagen. es ist jeden Tag anders. wir könnten uns zurufen. die Stimmen reichen weiter als unsere Hände. wir könnten uns gegenüber sitzen. ich am einen Ende des Abgrunds. er am anderen. wir könnten uns nicht berühren. aber wir könnten uns alles sagen, was uns berührt. und das Gesagte könnte sein wie ein Federball, den wir uns hin- und zurückschlagen. ein Wetter zöge über uns hinweg. ein Schlund klaffte unter unseren Füßen. aber wenn wir uns wieder umdrehen, um in unsere Häuser zurückzukehren, werden wir wieder zwei Seelen sein, die sich teilten und nicht mehr ganz werden konnten.
悲しみ
er ist schon lange weg. er war noch lange da. er konnte nicht bleiben. er war noch da. wo ich verblieben. die Zeit unterscheidet nicht. sie fließt nur. sie steht nur da. wo sie geschrieben steht. im grauen Gesicht. im matten Blick. in den Flecken auf der Haut.
er ist da, wo ich nicht hinkomme. er ist weg. kein Weg führt von dort zurück.
wenn ich gehe, folge ich mir selbst. und wenn ich auf etwas warte, dann auf meine Rückkehr. das Blut taut auf, wenn ich gehe. tief in mir gerät etwas in Bewegung, wenn ich draußen bin. aber ich rede nur, wenn mich jemand fragt. fragt mich jemand nach dem Weg, werde ich schweigen. ich zeige mich, wenn mir jemand entgegenkommt. aber ich stelle ihm keine Fragen, es sei denn, ich kenne die Antwort schon.
er ist weg. seine Einmaligkeit kennt keine Wiederholung. die Auslöschung ist unumkehrbar. für das Unverwechselbare ist kein Umtausch vorgesehen. die Ausnahme nimmt mich ein. ein Leben lang. obwohl sie selbst so kurz war, dass noch etliche von ihnen in mein Leben passen könnten.
die Zeit verschwendet sich. im Verschwundenen. bevor sie verschwindet.

was könnte sein? mühlos vergegenwärtigt. Vergangenes, das sich bewegt. Bestehendes, das sich kaum zu rühren scheint. Zwischen allem Lebendigen, das sich flackernd verzehrt. du schaust in die Namen hinein. du siehst hinter Mauern blühende Wiesen. du hörst zwei Menschen vertraut miteinander reden. und weißt nicht, wer ist wer. die Stimmen bekommen Gesichter. und aus ihren Schritten wachsen die Körper in deine Träume hinein. du fühlst dich gerufen. hinaus aus deiner Einsamkeit. und hast wieder Hoffnung, an die Schwelle zu gelangen, hinter der sich zeigte aller Sinne Sinn. und endlich steht das Endliche da. in all seiner Fülle. erschüttert und selig. das Kraftvollste aus dem Zartesten. aus Licht und Gelingen ein Schatten des Schicksals. falls du noch Zeit hast. über die Pausen des Daseins hinaus. am Rande sitzend. und über ihn hinweg blickend. dass sich dir zeigten alle Dinge, die Schatten werfen.

nach dem ersten Herbststurm
Heimweh und Fernweh
verstreut zwischen Laub und Schritten
drei Wolken verteilt über den Tag
drei Gebete in Decken gewickelt
die Blicke hinaus voller Falten
und rankend um die Gesichter ein hilfloses Wünschen
die Fahrt geht weiter
die Fährten von Zeit bedeckt
und Föhren über die Klippen gebeugt
als hätte die Küste ihr Wandern unterbrochen
ach
so lang die Wege zwischen Tag und Bestimmung
und wund die Pfade vom wuchernden Dickicht
wussten die Tränen nicht
was die Hände halten wollten
was mit den Rehen hinter der Lichtung verschwand?
ein Meer
rauschend um die Augenblicke
ein Wehen
ein Weh
um das endlose Schauen

ich bin fort. ich bin steckengeblieben. unterwegs. hängengeblieben in mir. die Augenblicke. die mich nicht verlassen wollen. als ich noch hier war. also: dort. wo ich wieder hin will. das ist lange vorbei. doch ich bin es noch lange nicht. ich bin der Gleiche. unter allem Veränderten. an den fremden Ufern. doch die Fragen lassen sich nicht auswaschen. und die Augen haben wechselnde Farben. aber ich muss das Fürchten nicht mehr lernen. darum gibt es keinen Grund auszuziehen. ich habe mich gut eingerichtet in den Wünschen. die sich nicht erfüllen werden. lieben und furchtlos sein. lieben und ein Pfund verlorene Seele zurückbekommen. von einem, der auszog, um sie zu finden. der mich so anschaut, als hätte er immer nach mir gesucht.

um mein Warten | Saum des Versäumten | Nimbus dem, der mich beginnt

Schicksal. Fall der Schöpfung.
Tag. an seinem Ende.
freie Wege. lichtlos.
Krüge voll Asche. in den Brunnen gegossen.
schöpfend ein Wasser. dem Unstillbaren.
verstecke dich. Blüte.
im Schatten der Kiefern.
warte noch ab das sattere Licht
nach dem Tag der verblutenden Möwe,
wenn das Meer ihren letzten Wunsch an die Küste gespült.
am Anfang. ein Blick.
Schweigen. am Ende.
Augen wie welkende Astern
im Gewölle der Zeiten,
wehend zwischen dem morschen Holz ihrer Lippen.
aber der Tod. das ganze Leben.
aber die Liebe. das halbe Sterben.
da rieselt der Staub meiner Träume…
Leben: weil Liebe.
Lieben: weil Tod.
sagt nichts. das Meer ist tief.
in dem das Boot versank.
schweigt. dass es euch sage
von den Ertrunkenen.
und was sie hofften.

ich bin frei. seit ich die Sehnsucht nicht mehr kenne. ich bin frei. ich stehe zur Verfügung. doch heute habe ich Ruhetag. ich bin frei. ich träume nicht mehr. aber ich lasse mir die Träume der Menschen erzählen. seit tausenden Jahren schon. Träume sind besser als das Leben, sagen die Menschen. Träume sind Leben. dann frage ich sie: und, wie war das Leben? sie antworten immer: ach, es war schon ganz gut, aber es hätte noch besser sein können. nun, ich kann das nicht beurteilen. ich habe selbst nicht gelebt. mein Leben floss durch ihre Erzählungen. ich bin so frei! und sie? Dem Einsamen brachte sie ihre Einsamkeit. und ging hinaus. mit ihren Träumen. ach, wie schön sie immer sang! aber ich kenne ihr geheimes Lied…

Waka-Variation [vor den wartenden Booten]
Masken der Sehnsucht.
jede Seele sieht etwas anderes
hinter den Mauern.
jeder Name. lodert
im bangenden Ufergras.