
Foto: Allan Acosta Greño
nicht einsam verenden
nicht einsam an den Enden haften
was warf die Wolke herab
nicht die Netze
um in die Zeit zurückzuspringen
nicht den Staub ferner Träume
den sich ein Engel von seinen Flügeln schlug
Lyrik|Essays|Kritik

Foto: Allan Acosta Greño
nicht einsam verenden
nicht einsam an den Enden haften
was warf die Wolke herab
nicht die Netze
um in die Zeit zurückzuspringen
nicht den Staub ferner Träume
den sich ein Engel von seinen Flügeln schlug

Lied
klangloser Schlaf
im Schatten kahler Weiden
auf gefrorenem Wasser
Leid
des verwaisten Ufers
klaglos im fernen Glockenschlag
nicht kehrte zurück
zum Ast
die Blüte des geschlossenen Auges
doch kehrte heim
der Mond
aufzuhellen die Nächte
allein
der Fortgezogene wird wissen
wo die Heimat ist
wenn traumlos überwintert
der Verlassene

Foto: Miriam Halfmann
wir könnten lieben. die Zeit. wir könnten sie uns schenken. wir könnten sie uns einschenken. wie feinsten, grasduftenden Tee. wie etwas, das uns bleibt, weil es mit uns verging. wir könnten es lieben. mehr als alles andere. wir könnten uns lieben. und wären einander die Einzigen. wir schenkten uns einen Augenblick, der auf uns gewartet hatte. mehr als ein einsames Leben lang. wir führen nicht fort, bevor wir nicht einmal ausgestiegen wären, um für eine Stunde zusammen am Ufer gesessen zu haben. und nichts zu sagen. und alles zu denken. wir könnten lieben. was wir sehen. wir könnten teilen. den einsamen Wunsch. hier schon früher einmal gesessen haben zu wollen. hier noch länger sitzen zu dürfen, als es die Zeit erlaubt. und wenn wir auch zeitig fort müssten, könnten wir lieben. den Ort. den wir nicht mehr verlassen. weil es der Ort war, an dem wir uns nicht mehr verließen.

I
bringt euch ein
!
setzt euch aus
[…]
II
ich möchte so gerne
zu dir kommen
dich fragen
wohin die Welt
aus der wir kamen
ging
III
die Gräber
wichen den Türmen
wo sie Wache halten
wichen den Gärten
wo wir uns glücklich laufen sollen
wenn wir wieder zu viel träumten
IV
fremd wird uns bleiben
bis zum Tod
die eiserne Sonne
der eisige Mond
V
bin ich
das
nicht mehr
?
VI
die Schönheit
zu schön
diese Dinge
im Gestein
unter wuchernden Zweigen
VII
diese Zweifel
die sie hegen
viel lieber
als die Beete
und die Gewohnheiten
VIII
es ist
nie zu schön
um spät zu sein

tiefergelegt. der Himmel. schwer, wieder hochzukommen. wenn man sich einmal gesetzt hat. damit sich einmal alles setzen konnte. Seen wie Krater. ein Mond, von der Erde zu sich gezogen. Wohnung der leeren Zisternen. gleich ist unsere Liebe vorbei. gleich will sie neu beginnen. wenn unsere Leiber lieber zerstückelt grasen in der verlassenen Landschaft. einsam ist unser Beten. ein Murmeln im reglosen Holderbusch. ein Kauen der Pergamente, in die wir das Heilige brannten. Zergangenes auf unseren durstigen Zungen. Überliefertes. dem wir ausgeliefert waren. das wir nicht mehr ausliefern werden. den Kommenden, die wir geliefert haben. den Gelieferten. wir wandern um die Hügel und suchen unsere Schatten. wir wundern uns nicht ob der verlorenen Gräber der geopfterten Ahnen, die ja nicht ahnen konnten, zu welchen Hoffnungen wir einmal fähig sein würden.
dein Schlaf im Gestein des Leibes. erloschene Träume. Saum der Stege. hinüber in den Dunst der Vergessenheit. dort. wo sich ein rötlicher Nebel legt auf ein graues Wasser. deine Stimme. zergangen auf Gottes Zunge. hausend im Rätsel. hinter der harten Rinde der Buchen. die ihr Wachsen wagten am Rande der steilen Ufer. deine Sehnsucht. vergangene. Tau und Tränen. der endlosen Schritte Ende. endlich. Neige der Wege. der Umwege. Wiege des schrumpfenden Mondes. der Sterne Verwandlung. und die Knospen erkaltender Trauer. Engelsaugen. perlend ihr Staub. auf den Eibennadeln. und ihr ewiges Bangen wandernd die Scherbenpfade. aus Nacht und Unzeit.

Schmerz einer Drehung | letztes Schauen | während das Schicksal gewrungen und geschleudert || Reinigung von seiner Irrsal | durch die endlosen Tunnel | der einsam schlafenden Schlange
der Winter wartet
auf die Verlassenen
die ohne Trauer sind
die in ihren Schatten warfen
den Nachhall eines zerschlagenen Lebens
Frühlingsgedanke | im späten Herbst
ihr kleinen Blätter
fallt doch auf unsere Füße
fällt doch das Licht des Ufers
zwischen die Schritte
dass unsere Augen Knospen seien

dein letzter Blick
zum Abschied
geschnürte Schuhe
alle Wege führen fort
aus der Luft des blühenden Jahres
hinaus aufs stille Meer
wo sich mit spätem Licht mischt ein Staub
und wie zu stehen scheint auf einem fernen Odem

tanzendes Licht. um welkende Blüten.
die Strudel gefüllt mit den Früchten der Trauer.
körbevoll trug ich sie heim.
nächtelang saß ich am einsamen Feuer.
hörte ihn kommen. mit leiseren Schritten.
summend ein Lied: warum ich noch träum‘.

Foto: Allan Acosta Greño
wie du warst. den letzten Herbst. Laub, das ins Dunkel fiel. stilles Herz. Straße. durch den leeren Tunnel. zwischen den Nachtgewächsen. Stunden des Schweigens. ein erster Sturm. am Anfang der Zeit. sprachen doch zueinander. in unseren Träumen. sangen uns zu. die weißen Segel. ferne Rufe. nacktes Gestein. in die Beete gepflanzt. starr in der Hoffnung. die Schatten nicht mehr verschwunden. lautloses Band. zwischen Abend und Abend.

子供
Stimmen. die sich entfernen. Wort. das den Sprechenden sucht. letzte Geburt. vor Anbruch des Tages. ein unruhiger Gott. im Haus seiner tausendheiligen Stille. rufe. wenn du noch bleiben willst. im Tiefen. die hohe Zeit. die drängende Bleibe. zu beschließen das Leben. liebend.
unerschöpflich. das Vergehende. Schmerz des Lassens. wer etwas hervorgebracht. wer zurückbleiben muss. einsam. erschöpft. Atem. der Seele Freude und Klage. Klang ihres wehenden Wehs. zwischen Bewohntem und Unbewohntem. ein Riss. wie ein Steg. über die Moore. die Meere.
ihre Hände. gelöst vom müden Gesicht. ihre Augen. in der gefüllten Schale. Schlag ihres Herzens. nach dem ersten Schrei. und wenn sie es trug. zum Ufer. zum Abgrund.