Intermezzo

[ZwischenFall. hinter demn BildRand]

singe für mich allein [weite Stille des Himmels] schaue zum Meer. zur dämmernden Erde [stehe an Kreuzungen] hinter mir der Tag [Waage der Gedanken] schön wie die Nacht. mein Auge [weh. wie die Wolken zieh‘n] Zauber der Einsamkeit [todeswund. vor lauter Liebe]

von der Heimat her. die Wolken. von dort. wo mich keiner mehr kennt. Stille. unter der Zeit. suche die Ruhe. fern ihrer Gräber. an verwunschenen Seen [altes Lied. ach. so stummes Herz. graue Bänder der in die Luft geschwungenen Blicke] wie immer ist es schon spät. wie immer bist du allein. die Jugend entfernt sich ganz langsam aus deinem Gedächtnis. stehst fast verloren an Straßenecken. wo alles vorbeizieht. was nicht mehr zurückkehrt [vom Wald verschluckt. ein altes Kind. es raschelt im Laub des vorigen Jahres. dort wachsen nun bald die Buschwindröschen]

zum Ende hin muss die Stille nicht mehr erzwungen werden. man muss nicht mehr warten, bis der Schnee fällt. man kennt seinen Ort, als ob man selbst das Ziehende ist, das aufs Meer hinausblickt. man weiß sehr genau, was man dem einen fernen Menschen noch sagen würde. und sonst keinem. man hofft, dass er versteht den Sang der Amsel. an einem künftigen Frühlingsmorgen [wie in den Schlaf Dornröschens geküsst. heimatliche Erde. Mitte März. daliegend in nördlichen Landschaften. als erwachten sie nie. und erste weiße Blütentupfer. wie aus einem Traum einer Seemannswitwe. gefallene Sterne. und der Atem Beider zieht übers brache Feld. aber nur ihr Schmerz wird im späten Sommer in den Ähren wogen] was ist denn die Seele anderes, als das stille Land zwischen den Küsten, über das hinwegziehen die Kraniche, mit allen Sehnsüchten fort und heimwärts in unserem grauen Gefieder, darin sich die Zeit angesammelt, die schon verging.

spreche jetzt bitte nicht von Ferne. lasse jetzt bitte diesen einen Moment im Innenhalt. im Gestrüpp auf verwitterten Mauern. für die Knospen eines künftigen Glückes. […] war noch einmal eingeschlafen. als draußen Regenschauer… als draußen rauschender Wald… nahe der Küste. aber in der Schilfharfe saßen noch die Stare. wie halbe Noten. im noch stillen Gewitter des Klanges, wenn es noch sucht nach seinen Stimmen. Und ungeduldig wartend eine jede, auf den Finger, der ihre Saite zupfen wird, damit sie endlich abgeben können, in einem Wimpernschlag, diesen einen einsamen Ton, den sie eingeatmet haben, ihr ganzen Leben.

[schlafende Amsel
auf dem kahlen Buchenast
Traum des Geliebten
der wulstige wunde Rest
des von Frost zerkauten Zweiges]

die einsamsten Vögel. werden am schönsten singen. ihre fernen Triller rauschen silbrig durch das Erstarrte der unbetretenen Gärten, in denen die Zeit wartet auf ihren Anfang. ein wunderliches Lied. es handelt davon, wie ein Geborener zum Lebenden wird. durch die Liebe. im Schmerz der Erkenntnis. und selbst sich fragend, warum er so lange tot war.

dann. Glück des Endes
wenn keine Sehnsucht mehr ist
nur ein Erinnern

öffne die Arme. Flügel der Dämmerung. über den Seen. schwer raunen die Träume meinem Wandern das Vergangene hinterher. jetzt senke ich meine Schritte in die Stimmen der Gegangenen. von ihnen zu erfahren. was über Nacht verlorenging.

die Dolen stürzen herab. von schneebedeckten Gipfeln. wie schwarze Pfeile rammen sie ihre Schnäbel in unser Schauen des Himmels. und an den Ufern werden sie zu Pfählen, zu Wellenbrechern. wo die Möwen ruhen. bis zum nächsten Hunger.

Wenn sie uns forttreiben, schweben wir über das Blühende hin und nähren seine Erde mit unseren Tränen. und unter den Wunden der Ferne steigt ein milchig schimmerndes Wasser auf. und erinnert uns an den Mond. wie wir ihn kannten aus der Heimat.

[du sollst doch nur sein
was ich nicht mehr suchen kann…
…mir zu erfinden]

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