die vielen briefe. die. eines tages

verzeih. wenn ich das. noch nicht. so ganz. und was mich so kühl anweht. gewiss. die unruhe. auf den wegen. und dass es wesentlich besser wäre, sich treiben zu lassen. hingabe an eine zeit. die überwunden ist. ohne je wundlos sein zu können. weil ja das verlorene an den fersen klebt. weil es ja nichts klareres gibt als das versäumte.

ich bin nicht traurig. die tage sind schön genug. die zeit hinterlässt keine spuren. ein taubes gewölle sind nun die früheren wünsche. ein kaum gehauchter saum des schlafes ist die restliche empfindlichkeit.

ein gedanke nur. der geliebte mensch. zu dem ich spreche.

heute verstehe ich viel besser. und bin in der stille angekommen. die am anfang und am ende eines jeden tages steht. und selbst die herzen, aus denen ich fortgestoßen wurde, können nicht leer sein, bei all dem erinnern.

wenn die einsamkeit kein geschwätz mehr ist. wenn sie schön geworden ist. wie eine ruhende schneelandschaft.

ist doch wesentlich besser so. als hörte man beschwerden der zeitverweser. weil die kastanien ein zweites mal blühen in diesem jahr.

aber wie viel mehr als eine gebärde ist das wort? und was soll denn schöner sein als der schlaf. sicher nicht das erwachen.

mühelos muss die liebe sein. wie das graue warten der häuser entlang zertretener straßen. sie lassen alles durch. doch bedeutung hat nur das angekommene. was in den heimischen zimmern sitzt. und sich nichts vornimmt. sich nichts vormacht.

bleiben ist so gut wie gehen. ohne die mühsal der hoffnung. und arbeiten. natürlich. ist sehr gesund. gegen die schnellen, flüchtigen tage. geschehnisse. die dem allerletzten nicht im wege sind.

anstoß. der monde [unaufgeregt]

weit entfernt. jenseits der feengebiete. schlaf des geschauten berges. nur den erwachten fliehen die landschaften im endlosen wechsel der gesichter. wir aber, adepten einer einsamen frage, standen lange genug auf dem höchsten scheitel eines scheinbar ruhenden ungeheuers und gehen seitdem hinab und tiefer hinein in die versteinerten kammern unserer sehnsucht. überwältigt zu sein von der anwesenheit des unerreichbaren.

matt aber wirkt der mond im gefühl unseres alterns. wie ins wasser gefallen. denen, die ihre häupter nicht heben können. kopf eines schlafenden pferdes vielleicht. glühend noch. und verglimmend aber. nach seinem ritt durch die brennenden felder. rest seiner träume. gestapelte trümmer. am äußersten rand der steilufer.

nicht dem tode. glauben

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

wenn er erscheint. wenn er scheint. lege ich meinen schatten ab. in den er sich warf. da. auf die stelle des endes. hier. am ausgang des sterbens.

kleine seele. im zarten opfer verborgene. für die ferne liebe. für die einzige und bessere erkenntnis. fiel mir ihr name wieder ein. wie der grund meines wartens.

doch. der boden. dort. so leicht. und ich fast schwebend. vor dem streifen dämmerung.

eine stimme ging durch meinen schlaf. und ein leiser regen über das nächtige land.

sprach er nicht aus dem schilf? nicht aus den einsamen häusern? hoch über den steilen ufern. ein letztes licht. das den grauen dunst des morgens überzog.

das letzte lied. verzehrt mein herz

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

vergesse nicht. die nacht. als die schatten ineinander flossen. den sang der träume. als wir auseinander gingen. befreit. und verloren. für den zauber der erwartung. stein ist das wort. das ins wasser fiel. wie das fest der wiederkehr. staub ist die spur. bis zum nächsten wind. aber die letzte gefangenschaft ist auch die ewige. versunken. in der einsamkeit des augenblicks. du bist das fremde land. das durch die seele wanderte. die sich zurückzog. in die verlassenen dinge.

dachschaden. schnatternd. die interpreten. während der autor schnarcht

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

von den gewölben. herab. disteln. auszustopfen die hohlen. landung der flaschen-post. atem der all-beschenkten. von der hoffnung zerdrückt. als ladung sand. lassen wir nachbedenkenden die unbedachte wieder retour gehen. aber: auf glas wächst kein gras. träume und trümmer haben wir über die wogen geschickt. warfen über bord die bilder und bücher. damit wir gestrandete werden durften. wir wollten ankommen. und immer in der ankunft wohnen. weit in die nacht hinein. schob sich unser begehren. die flügel der bleiernen tore. auf unsere steifen rücken zu spannen. doch vom inneren der wände her schlagen die stimmen wie rispen gegen den wind. laubzungen. mit reißzwecken gezähmt. ja. im gedächtnis der nägel. bewahrt sich das ganze wissen. um die lohnenden opfer.

verdorrtes. verlorenes. saum der offenen gräber.

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

stille. die saat des vergänglichen. ja. wie sich das himmlische verzweigt. aus welchem licht denn sonst? in welches gewebe denn noch, wenn nicht das seelische, das sich einschloss in die schattigen räume der kindheit. eben dort. wo alles ist. uneben. unsichtbar. die erde. die verwandlungen. pfade. und übergänge. frühlinge. und vertrauter tod. eben dort. wo jedem ding, das einmal war, das einmal sein durfte, eine hand wächst, die sich ausstreckt nach dem traum, der dich hat hochschrecken lassen. aus dem viel zu langen schlaf.

geh. immer. dem herbst voraus

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

alles ist entschieden. alles ist anders. jeden tag. verwachsen mit den steinen am wegrand. alles. was wuchs. glücklich. vielleicht. wo die zeit versank. wo der atem versagte. als ein wunsch ausgesprochen sein wollte.

dort. wird nichts mehr hasten. nichts mehr haften. wo klarstes wasser über die schatten gleitet. und das einmal beschriebene papier zurückkehrt in die leere seiner hoffnung. also. gerade so. als ob eine blüte zog ins haus der knospe.

es wird zeit. [!] sich hin. und auf. zu stellen

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

die erde wird. sich bald. geschlossen haben. keine andere antwort. wird sie geben. als auf die fragen der jahreszeiten. sie wird sich schließen. statt sich endlos überwuchern zu lassen. sie ist nicht zuständig für gedächtnis oder verheißung. luftige schatten. oder getippel auf zehenspitzen. das alles ist ihr gleich. weder ist sie wach. noch schläft sie. sie schweigt. nicht zu sprechen von den anderen. die ohne rast sind. vom mond gezogen. in lautlos-bleicher wiederkehr.

aber die schatten altern nicht. bringen eine ferne stille in die wälder. reglos wissend um die liebe. die mögliche. unerfüllte. immer steht an einem ufer. die idee vom ersten tag. und unter den dünen. unter den himmelsspiegelnden wellen. mag eine verborgene speise gelegen haben. so bleibt die frage: um welcher hoffnung willen hörte das atmen nicht auf. zu keinem augenblick? [!]

und geht. [auf]. wogen

[bevor das gras vergeht. baltische elegien]

auf. seele. spanne des himmels. über den kümmernissen. mut eines schrittes. auf geduldigem weg. stunde des nachhalls. des überwundenen. aufgang. und morgen. an dem der schlaf beginnt. klarheit. eines dahin. niedergelegt. am jetzt noch unbekannten ort. nach langem schlummer. weiter noch. unterwegs. unter den wegen. am rand. in einer ecke. wo ein früherer wunsch. einen schatten wirft.