buchheimer fragmente

[haiku-variation | mit exposition]

Foto: André Sarin

still beklommene endlose wiederkehr. winterluft. zerriebene stimmen der amseln. pollen der träume. der schläfen sandige fallen. auf den füßen des wanderers. der flüchtenden. niemanden getroffen. ein erster ton sucht sein gehör. irrend von klause zu klause. noch ohne namen. suchend die burg. unter den seen. zwischen den enden des lichts. im gewebe der dämmerungen. dort. wo das ziel wohnt. und das flehen um die rückkehr der zeit. in die wunde seite des hüters. die krone des schmerzes. zu fallendem laub. wenn die hände der betenden in die scheiben der fenster greifen. und die letzten zärtlichen finger die blütenblätter legen auf lidlose augen.

regen schließt mich ein
schatten des immer suchenden
nach dem wartenden herz

bevor das Gras vergeht

[wenn ich erwache]

wenn ich erwache
liegt das meer vor den straßen
ein kühler sommermorgen
das wasser
glatt wie ein vereister see

vom schlaf gestillte welt
wenn die wandernden gedanken
auf der schwelle stehen
von beenden und beginnen

wenn ich erwache
hör ich die zweiten und dritten schritte schon
der nahenden zeit
der bis zum abend durchzogenen landschaft
über die sich ein dunkelnder himmel beugt

zahllos
liegen die kiesel unter den sohlen
ich hebe nur einen auf
wenn ich erwache

Werkstatt XI [was es kostet]

eintritt
in einen traum

unbezahlbare stille

von dort
kommt dir entgegen
ein weg
auf dem noch keiner gegangen sein kann

ort einer stimme
die nach dir
gerufen haben muss
erwartend
ein echo

stege
ins meer hinaus
sich verlierend
im nebel

klarheit einer heimkehr
deren erinnern zerstört
vom erwachen

einsame stunde
wenn nichts mehr gesagt werden darf
und zahllos sind
die augenblicke
aus denen wir vertrieben wurden
mit denen sich nun totschlagen ließen
sehnsucht und zeit

Eumaios – hinter den Fenstern

Foto: André Sarin

ich dachte, wir wären längst vermählt gewesen. als ich dich fragte und die Absage bekam… man sollte sich nicht zu sehr mit Geschenken überhäufen lassen, um das verzögerte Gefühl zu vermeiden, all diese Dinge zurückgeben zu müssen. Gewänder, in zwei Teile zerschnitten. volle Becher mit Vertrocknetem. Überwürfe. und ganz so nackt dazustehen. Gesichter, wie alte Krusten Brot. was braucht man um leben zu können? und was um weiterzuleben? heißer Stein glühender Wangen. die Tränen verdunsten im Nu. es muss viel Zeit vergehen, bis man sich ganz versteht. nein, nicht eigentlich ganz. vielleicht nur viel tiefer. und näher. und den Anderen ohnehin immer besser, als sich selbst… Haare waschen am Waschbecken, wenn es schnell gehen muss am frühen Morgen. und unter den Wasserhahn gebeugt, um sich die krausen Gedanken aus dem Kopf zu spülen. man ist kaum wiederzuerkennen nach drei Jahrzehnten. die Unruhe sackt in die Kissen. ins Moos. wie feuchte, kalte Luft am Boden. erschöpfte Wege, von den zahlreichen Schritten. den nie endenden. aber frage mich ruhig, was immer du wissen willst. woher ich komme. wohin ich will. [nicht was] Fragen kostet nichts. und das Wort wird nicht zu rasch abgeschnitten. es spricht sich gut herum, wenn einer lange schweigt. er ist stärker als ich. hat die Wege weggesperrt. lässt die Hecken wuchern. die Umarmung. nicht mehr so wie vorher. die Einsamkeit. wie immer… die vielen Geschenke hatten etwas Erdrückendes. warum dies Heimweh? weite Felder. hinter den Gehöften. Verlorenes. in guten Händen. wenn sie leer sind. klagloses Holz gefällter Buchen. Wälder ohne Schreie. ohne Schritte. schadlos die Flüsse. sehnen sich nach Floßen. Ḫumbabas Zorn unter dem schlafenden Laub. Ameisenstraßen auf dem gefallenen Triptychon. die Vorratskeller voll. für die Feier der Rückkehr. die Leiter hinauf zu den Deckenfresken. fest vernagelt. wer immer hinauf will, muss nur noch hindurch. nicht lange soll das Sterben dauern. wenn man es spüren muss. das Schicksal. das auf der Hand liegt. ins Rad geflochten. aber du bist ja gewandert. und hast dich nicht schicken lassen. auch wenn sie sagen: Einöde. und Einsiedler. und Einsamkeit. du weißt ja dennoch, wer bei dir war und sich nicht wie die Zeit vertreiben ließ. wer kommt jetzt noch? und bleibt eine Weile. und wäre ein wenig traurig bei der Abreise. Wolke auf ruhendem Wasser. Fels über dem Atmen. unstete Seele. weil der Körper immer an einem Ort. er war dort zuerst. er wird dort der letzte sein. sein Schatten gibt keine Antwort. trägt dich zum Abend. zum nächsten Morgen. wenn der Mond abgibt die Obhut. und die Fäden der Träume aufgeräufelt hat… der Himmel hat Platz für alle. da hängen die Antworten herab von den Sternen. und über den Körben und Kelchen offener Hände und Münder der Harrenden. aber lass ihn erzählen, der so lange warten musste auf ein Gehör. du brauchst nur Arme, die zum Höchsten wachsen wollen, auch wenn die schauenden Augen immer auf der Höhe der Wurzeln bleiben, weil die Erinnerungen nach unten fallen wie Früchte und welkes Laub. mächtig bist du weil du, keinen Namen hast. kein Gesicht. und die deinen dich sehen in ihren eigenen Spiegelungen. du lässt sie für dich sprechen. doch kommt die Rede, die von dir sagen soll, nicht immer von den Klügsten. ein ganzes Leben lang können sie davon sprechen, wo die geschmückten Schiffe ankern, jedoch nicht wohin sie fahren werden. die Wasser blau, erst vor den Ufern der Wüste. Streifen aus Smaragd. wie Saum der Sehnsucht. das Land zurückzulassen, um nicht mehr träumen zu müssen. mein Land, auf der Seite der Dämmerung. zwei Schritte entfernt, wenn du den Weg erkennst. die feine Asche, die sich ins Gestein treten ließ. nah der Stille, wo der Wind seinen Anfang hat… mein Traum war voll von deiner Rede. da warst du kein Schweigender mehr. und auf deiner Zunge lag alles, was ich hätte sagen sollen. so wie die Tage ziehen, denen du vorausgegangen. allein auf den Gipfeln, um da endlich in die Knie zu gehen. von Frost und Licht bedeckt. und geschüttelt vom Wunsch nach Geborgenheit. erstarrt, um weich zu werden, unter der aufgehenden Sonne, zwischen den Bergschatten, hinter dem Ziel, wo die Angst nicht mehr sein würde. hörst du ihn nicht auch rufen? zurück will ich. zu den Bäumen und Bächen. und wenn meine Augen aus Sand nichts mehr sähen, würde ich sie noch hören können und hätte den Duft des Nebels vom Licht her aus dem feuchten Gras gezogen. auf der kühlen Haut. und jetzt die Frage: wovor denn Angst? auf die niemand eine Antwort erwarten kann. aber soviel hatte ich doch sagen können: dass dort, wo es eine Angst gibt, auch eine Hoffnung ist. aber wirst du das auch noch denken, wenn du die Feldwege wanderst und vorbeigehst an den grasenden Herden. da scheint die Erde ihre Wunden geschlossen zu haben. nicht mehr zu erkennen werden sein die Furchen, auf denen die goldenen Ähren späterer Jahre wachsen. träumst du dann noch? oder schläfst du dann nur. erschöpft von den Wegen des Tages. aber für die Heimkehr muss es erst noch so werden, dass die Wege dich finden in deinem geheimen Ziel. ein anderes Leben durchdringlicher. selbst wenn die Orte ihre Namen verloren haben. nicht mehr weit der Rand der Wälder. und das Ende der Lähmungen. dass das Herz wieder brennen kann für des Tages Ausklang. wenn die Stille aufgeht als Mondnacht über den Äckern. doch dann soll seine Stimme sich dir noch nähern. etwas das sich an deine Seite schmiegt. ein anderes Leben. durchdrungen von deinem.