was sprachst du mir. von der Überwindung der Welt. vom Platz an der Seite eines, der meinen Namen kennt. der ein Wort von mir festhielte wie meine Seele. wie seine eigene Seele. und sagte: du bist da. und so wollte auch ich dorthin, immer schauend in die Richtung, wo er mich finden könnte, der mich zurückbringt ans Ufer des Sonnenaufgangs, der das erhörte, was ich nicht hatte sagen können, auf der vorletzten Stufe stehend, ahnend die Geschenke der Ewigkeit und stumm geworden von so viel Liebe. doch weil du an mich geglaubt, konnte ich ihr vertrauen und blind durch die Gärten gehen. weil sie noch den Duft hatte des ersten Grases nach Sankt Benedikt. bis ich stünde am Eingang eines Hauses, wo ich dir in die Arme fiele und wo ich, wenn ich mich umschaute, kaum wüsste, für welche Freude ich mich als Erstes bedanken sollte. und einmal über die Schwelle gegangen, müsste ich nicht mehr wissen, was ich tun sollte. und seine Heilung endete nicht in den Kostbarkeiten der Wunden, durch die ich geschickt worden war, um dich in dem zu erkennen, was du gesprochen.
I found the time to direct a few words and let fall upon them the very thoughts that they could not signify and that hide their sonic nature because our language is a rippling water across the skin of being. I sought the joints between the words to remove myself to where the saga meets the moment that it gets a voice to say it – and to him.
April. grausamster aller Monate. Brut des Flieders auf totem Land, Kreuzung aus Erinnern und Begehren. Stört Ödwurzeln auf mit Frühlingsregen. Warm hielt uns der Winter, deckte die Erde mit Schnee des Vergessens, nährte ein mageres Leben mit dürrer Knolle. Jäh kam der Sommer, zog über den Starnberger See mit heftigen Schauern; wir stellten uns unter die Kolonnaden und zogen erst weiter bei Sonnenschein, bis zum Hofgarten, tranken Kaffee und plauderten ein Stündchen. Bin gar keine Russin, stamm‘ aus Litauen, echt deutsch. Und als wir Kinder waren und beim Erzherzog logierten, meinem Vetter, nahm er mich mit auf einem Schlitten, und ich hatte solche Angst. Er sagte, Marie, Marie, jetzt halt‘ dich gut fest. Und runter ging’s. Ja, in den Bergen, da fühlt man sich frei. Nachts les‘ ich die meiste Zeit und fahr‘ in den Süden im Winter.
Welch Wurzelwerk krallt sich, welch ein Geäst ragt aus dem steinigen Schutt? Menschensohn, du kannst es nicht sagen, noch rätst du es, kennst du doch einzig eine Halde zerschlagener Bilder, wo die Sonne drischt und der tote Baum keine Zuflucht bietet, das Heimchen keinen Trost und der trockne Stein kein Echo des Wassers. Nur Schatten gibt es unter dem roten Fels (Komm in den Schatten unter dem roten Fels) und ich zeig‘ dir ein Ding, das nicht ist wie dein Schatten am Morgen, der hinter dir her schlürft, und nicht wie dein Schatten am Abend, der dir entgegenwächst. Ich zeig‘ dir die Angst in einer Handvoll Staub.
die Einöden nehmen kein Ende. sie nehmen sich alles von den Endenden. und die Dinge suchen in ihnen nach ihrem Ort. aber ihr Grund kann nicht sicher sein. wohin das Licht kaum vordringt. des kommenden Tages [wer entsinnt sich noch des Morgens? vor wenigen Stunden] hast dich ins Unbewegte eingehüllt. zu eng die Haut. um dich gewickelt. kannst dich nur mit ihr drehen. musst ohne Mitte sein [wir sind jetzt dort. wo wir uns umschauen können. falls es einen gibt, der uns die Köpfe dreht. auf unseren Pfahlhälsen. tief ins Erdreich gestoßen] regst dich nicht mehr. hast aus dir hervorgebracht das Ende. das die anderen alle erst noch beginnen müssen. in ihren Augen ist die Welt. die auch einmal einen beschwerlichen Anfang hatte. die auch schon so weit entfernt ist von sich. doch wenn sie alle nicht bei sich sind, können sie auch nicht in ihr sein. und werden für immer vergessen bleiben. und werden sich, wenn das Ende da ist, nicht mehr erinnern, wonach sie sich sehnten [wir hören das ferne Summen derer, die noch Augen haben, sie zu werfen auf etwas Begehrtes, ins Wasser ihrer Wünsche. doch sie wurden im Flug zu Steinen. und schlugen ein die Köpfe der Träumenden] musstest dort enden, wo dein Leiden begann [wir wissen aber jetzt noch nicht, dass wir eines Tages davon erzählen werden. wir können uns jetzt noch nicht vorstellen den wahren Schmerz. der Endlosigkeit. unserer Liebe. in dieser Enge. dazu sind wir jetzt noch zu erwachsen. zu verwachsen. mit unseren Hoffnungen. |…| was wir nicht gerne hören. was wir zerstören. weil wir glauben, dass niemand zuschaut. und dass die Künftigen es nicht sehen werden. denn sie erblicken nur noch, was ihnen erzählt wird. nicht, was die Welt ihnen zeigen will] Bruchstücke gegen Trümmer gestemmt | jetzt: in der Stille. ist jeder Laut ein besonderer Klang. für den du kein Gehör mehr brauchst [man hat uns gesagt, dass wir die unbekannten Wege schon gegangen sind. wir haben das nicht bemerkt. wir lassen es uns dennoch gerne berichten] jetzt: ist immer Neumond. der Heilige Geist ruft den Tauben zu. sie hören das Himmlische besser [lasst unseren empfindlichen Ohren noch etwas Zeit, sich zu gewöhnen an den Sang der Ewigen] jetzt: zwischen den Bergen. ist Nacht. die Hiesigen behaupten, der Mond sei verschlungen worden von den oberen Gebirgsseen. Zorn der Hl. Mutter. ach. lass sie so reden. dass die Wirklichkeit ihrer Träume Platz hat. und dass ihre Seelen unversehrt bleiben |…| mondlos heißt: ohne Gedächtnis. heißt: sich erzählen zu lassen. und weiterzuerzählen. was sich nicht selbst erinnert. ob all des Schlafes. aus sich heraus… [doch der Himmel müsste nicht mehr anders sein. wären wir uns selbst nicht mehr fremd] sag‘ uns noch nicht, wohin du zurückkehren willst. die Wintersachen liegen ausgebreitet. kahle Zweige wippen vor dem Fenster, als wollten sie deinen Namen ins Glas ritzen. du gehst durch die Türen. du kommst immer wieder. ins selbe Zimmer. wo dein Körper in den Sessel sackte. und mächtig durchhängt. ohne Seele. sie merkt erst jetzt, dass sie keine Flügel braucht, um zu schweben und zu fliegen. und ist selbst erstaunt über deine wahre Stimme. und hätte sich selbst nicht vorstellen können, wozu du fähig gewesen wärst. und wozu am Ende die Zeit fehlte.
[du hast die Jahre verstreichen lassen. nun hat die Zeit dich gestrichen. wie die weißen Wände. in denen alles Licht gesammelt scheint. durch sie hindurch siehst du. jetzt. die Heimat wachsen. die du nicht mehr erreichen konntest. und die sich ja dennoch um jede Heimkehr kümmert]
unabgeschlossene Welt. und meine Not, mich abschließen zu müssen. das Ende zu finden. das Künftige sein zu lassen [die Welt macht nicht mehr mit bei meinen Phantasien. von kindlicherer Zeit. von gesponnenen Abenteuern. zwischen deftigen Mahlzeiten. wenn es auf Sankt Thomas geht… ich werde jetzt häufiger nach dem Weg gefragt. nach einem gemütlichen Café. nach Souvenirgeschäften. fußläufig. zwischen Bahnhof und Dom. und weil ich mich selbst nicht auskenne, gebe ich umso ausführlichere und kompliziertere Wegbeschreibungen, damit jeder von ihnen Lust bekommt, sich zu verlaufen, ohne auch nur einen Schritt tun zu müssen] ich höre jetzt kaum noch, wenn sich ein Mensch nähert. und ich denke immer, wenn er ganz dicht vor mir steht, dass er mir die Hand geben will, um sich zu verabschieden [die Dinge um einen herum sind nicht dunkler, wenn man erblindet ist. man schaut aus ihrem Inneren hinaus. in die verhüllte Welt hinein. in die Teilchen der Zeit. und wie sie durch die härteste Kruste fließen] die Begegnung ist einfach. sie ist die reine Widerfahrnis, nach der nicht gesucht werden muss. der Abschied jedoch bedarf des richtigen Augenblicks. nicht im falschen Versprechen der Wiederkehr. sondern im zärtlichen Schwur der Erinnerung. der die großen Worte nicht nötig hat… es bleibt noch sehr lange danach unbemerkt, dass die Zeit verging. dass die Träume sich nicht mehr so gut halten lassen. wie die früheren Jahre sind sie bedeckt vom reglosen Grau, das sich auf alles Entfernte legt. irgendwann ist vergessen die Traurigkeit von einst. dann tragen die Menschen wieder bunte Hemden und gehen, versunken in flüchtige Gedanken, in Parks und entlang der Flussufer spazieren und haben das satte Strahlen des Herbstlaubs im Gesicht [ich gehe durch die Menschen hindurch, die mir entgegenkommen. ich stehe im noch jungen Weizenfeld und breite die Arme, als seien sie Flügel, aus Ähren gewachsen. ich lege das dunklere Tuch des Abends, das ich im Flug hinter mir her zog, über das erschöpfte Land, bis ich dort angekommen sein werde, wo alle Städte fern sind, in der wunderlichen Sage der Alten, denen man Sandkuchen zwischen die Worte stopft] man kommt nicht weg. man kommt nicht weg vom Fleck. von den Flecken. eigentlich will man so nicht fortgeschickt werden. und noch weniger wiederkehren. ganz besonders deshalb, weil man sich nicht aussuchen kann, wem man wiederbegegnet. also sollte man sich doch besser einige Flecken aus der Haut schneiden und wie gesammelte Ahornblätter zwischen die Seiten eines noch nicht gelesenen Buches legen. man muss aber zuvor aufgehört haben, davon zu träumen, an ein fremdes Ufer gespült zu werden und als einer von Abermillionen Steinen aufgelesen und verschenkt zu sein. wo man dann für einige Jahre auf einer Kommode oder einem Fensterbrett zwischen Passionsblumen und Orchideen liegt. man behält sein fremdes Gesicht und sein Schweigen und darf dennoch für ein paar schöne Erinnerungen sorgen [in meinem Gehäuse wäre bewahrt der Klang der Küste. an einem einzigen Nachmittag. in einem einzigen Gedächtnis. das sich mitteilen wollte einem anderen Einzigen] der feine Film des Vergessens lässt sich nicht abwischen. ebenso wenig wie die Schatten unter den Augen des Trauernden. wie sehr man seine Seele auch putzen mag. wie sehr man die Schwämme spült und wringt [doch was hatte ich für einen Durst. als ich als Stein unter den Wellen lag. hätte trinken können das ganze Meer. mit all der Zeit, die darin schon versunken war] man wird als Patient eines Tages zum Faktotum. man meint, die Pfleger redeten über einen wie über eine im Keller gefundene Topfpflanze, die man nach draußen auf den Balkon gestellt hat, um zu schauen, ob sie es noch schafft. man spürt, wie sie Wetten abschließen um einen. und man hört mit der Zeit immer besser, was sie einem nicht sagen wollen [aber seit ich die Augen nicht mehr öffnen kann, stelle ich mir vor, wie sie die Fäden des Schicksals aus meinen Wimpern ziehen. und durch ihre Stimmen endlich meine unausgesprochene Erzählung geht]
ich war auf der anderen Seite der Insel. von wo die Boote nicht ablegen [er kehrte nach langer Abwesenheit zurück. die Abwesenheit kehrte zurück. und die Augen in Richtung Wasser]
wenn ich doch wüsste, von wo ich mich aufgemacht hatte. wo meine Seele aufgemacht wurde. [er wählte sich einen Hund als Begleiter. obwohl er eigentlich eher Katzen mochte. doch Katzen gehen nicht gerne auf Reisen]
die Straßen sind endlos. die Wälder und Ufer, von denen erzählt wurde, sind nicht in Sicht. aber wer so lange gegangen ist, hat irgendwann Angst vor der Ankunft. und wer sich die Ankunft nicht mehr vorstellen kann, dem kommt nichts weiter entgegen als ein schnurgerader Pfad, der die uferlose Ebene wie eine Schere durchtrennt. wer vor sich nichts sieht, sieht hinter sich umso mehr, ohne sich umdrehen zu müssen [Hunde sind immer gut gelaunt. und immer folgsam. und treu an der Seite des Wandernden] je länger ich ging, desto kleiner wurde ich. in der immer größeren Welt [Hunde verstehen gut. und wollen immer noch mehr lernen. Katzen dagegen wissen schon alles. und haben die Weisheit der Langeweile ob ihres Wissens in Trägheit und Schlaf kultiviert] bis ich an der letzten Küste als winziger Kiesel die Dünen hinunterrollte und mich unter die Wellen legte [er folgte seinen Spuren. aber er kann sich einfach nicht einholen. wie die Taue, an denen er zieht und zieht, ohne dass ein Ende zu erreichen ist] ich konnte ihn so gut verstehen. ich konnte ihn nicht verstehen [man muss das Glück nur wollen. und schöpft es aus dem Vollen] dann stand ich auf. wo ich gelegen hatte. ohne zu wissen, wo das war. dann ging ich weiter. ohne zu wissen, wohin. [er ruft jetzt nicht mehr. damit ich mich nicht umdrehe] ich bin zu allen Menschen freundlich. aber ich halte mich fern. ich traue niemandem, der unentwegt von seiner Zufriedenheit spricht. die Geschichten brauchen lange, bis sie ankommen in mir. Jahre später höre ich sie. und halte sie für die meinen [es gibt keine Sprache für das absolute Leid. und keine für das vollendete Glück. alles, was dazwischen liegt, irgendwo, dem einen oder anderem Pol näher, wird irgendwie gesagt werden können. jede Idealisierung jedoch ist eine Lüge, wenn sie nicht Traum ist oder Vision]
ich tue nicht viel. wenn ich mit mir selbst spreche. aber ich tue es, damit Welt und Zeit zu mir reden…
Ich erinnere mich an den Tag, als wir die Entenküken retteten. Ich frage mich, ob es einen Tag gab, an dem ich dich hätte bitten können zu bleiben. […] Ich weiß immer weniger, wovon ich rede. Was heißt es schon, wenn ich mich an dieses oder jenes zu erinnern glaube? Aber ich kann sehr präzise davon sprechen, was ich versäumt habe und was ich mir wünschte. […] Ich habe wenig erlebt. Ich habe viel miterlebt. Ich kannte zahlreiche Namen. Ich entsinne mich ihrer kaum. […] Ich hätte gerne eine Mutter, die alles weiß und die nicht stirbt vor ihren Kindern, weil sie die Einzige ist, die sie nicht vergessen wird. […] Aber vielleicht habe ich auch Angst davor, dass ihr immer lächelnder Mund größer und größer wird, je länger sie lächelt, und dass ihre kleinen Mädchenzähne zu Stoßhauern wachsen. Doch falls ich Glück habe, wird sie mit zunehmendem Alter immer kleiner und sanfter und ist am Ende wie ein Püppchen. Nur, dass ich nicht möchte, dass sie überhaupt endet, ohne zu wissen, wie wir enden. Ich wünsche mir, dass wir uns Klopfzeichen geben, solche für die Not und andere für die Freude. Ich wünsche mir, in ihrem Kopf eine Kerze anzünden zu können, wenn es dunkel wird und damit sie keine Angst hat, wenn sie durch die Nacht irrt und ihren Schlüssel sucht, und dass sie, wenn sie ihn gefunden hat, ihr Haus nicht suchen muss, sondern davor steht und weiß, wer sie begrüßen wird.