[Waka-Variation | Lied von der Akazienblüte | dans la montagne | das Summen des wilden Kindes | versteckt | in dornigen Zweigen | wanderndes Leben | Schlingen der schwarzen Haare | unter offenem Himmel | Geheimnis | hinter den dunklen Augen | eisblauer Steine Verwandlung | in zitrusfarbenen Dolden | Sehnsucht | der Winde | in Richtung Là-bas]
[Waka variation | song of the acacia blossom | dans la montagne | the wild child’s humming | hidden | in thorny branches | wandering life | creepers of black hair | under the open sky | secret | behind dark eyes | metamorphosis of ice-blue stones | in citrus-coloured umbels | yearning | of winds | towards Là-bas]
hart liegt ihr Schatten auf deiner wunden Seele in des Sterbenden Hoffnung Duft des verlängerten Frühlings in ihrem Lächeln. einsame Frage: wann kehrst du zurück
hard lies her shadow on your sore soul in the hope of the dying scent of a prolonged spring in her smile. lonely question: when will you return
[Waka-Variation | Mais nous ne voyons pas la Carmencita! | sie kommen | sie gehen | die Zeit fließt dahin | nimm deine Fragen mit | für später einmal | die Stunde der scharfen Messer | sie schneiden auf | sie schneiden dich auf | in Scheiben | dein singendes Herz | darin ein einziges Lied: fort! fort!]
[Waka variation | Mais nous ne voyons pas la Carmencita! | they are coming | they are going | time goes by | take your questions with you | for later on | the hour of sharp knives | they cut | you | into slices | your singing heart | in it your only song: away! away!]
dunkel. deine Stimme in ihr: deiner Klage Schatten deiner Seele verlassenes Haus dein Tanz. auf staubigen Stufen – leicht wie ein Wind in den brennenden Flügeln
dark. your voice therein: your lament’s shadow your soul’s abandoned house your dance. on dusty steps – light as a wind in burning wings
Abschluss der Sammlung: Mecklenburgische Elegien [Zweiwochenpsalter | Tagzeitenbuch]
I
du gabst ihnen Herzen darin die Rede von einem Geheimnis ruht
keine Arbeit vergeblich keine umsonst verzehrte Kraft
spät kam der Regen und fiel bis zu ihrem Erwachen
du wirst sehen ob sie nicht vergessen haben ihr Glück zu teilen in Dankbarkeit
ach lass sie doch erzählen Genügsamer vom vollen Mond hinter ziehenden Wolken von den leicht wippenden Zweigen der Birken unter denen sie friedlicher gehen mit der zärtlichen Lüge von einer besseren Kindheit
die wenigen Wünsche leise gesprochen und als ob von dir selbst auf die Zungen gelegt
nimm ihnen nicht die Kraft, schwach zu sein
lass es ihnen so geschehen als hättest du selbst geflüstert so geschehe es
aber im Klang vieler Stimmen so viele wie es Farben hat im Reich der Blüten
ach Schönheit ihres frühen Opfers um der späten Früchte wegen den reiferen Duft und dunkleren Glanz noch haltend einen Regen lang
daran erinnernd was vor ihnen war was ihnen folgen wird wenn tiefer das Licht im Wasser steht
Abschied zu nehmen von allen Jahreszeiten
mögen sie spüren des Windes Schmerzen wenn er durch das Gefallene greift wenn sie das stillere Wissen erfasst was sie nicht lassen können was du ihnen gelassen hast für Schatten und Schutz an den heimischen Ufern ihrer Fremdheit wo sie nicht mehr sagen können was ihnen entschwand wartend erwartend was ihnen entgegenkommt wenn es sich umdrehte ihnen zuwinkend auf dass sie ihm folgen mögen die Wolkenwege, die Lichtwege wo die Luft sich bewegt als atmeten selbst die Felsen auf dass sie gemeinsam denken es braucht nur diese kurzen Aufenthalte in den Augenblicken um in der Zeit zu sein und sie zugleich lassen zu können
und sie wissen doch sicher dass sie alle Hände haben zu schöpfen das kühle Wasser der Bäche in denen als sie noch schliefen das erste Licht des Tages badete
II
du hörst doch die Gebete derer die ihre letzten Samen auf die Wege streuten bevor sie sich der Wiegen nicht entsinnen konnten
wen stört der Staub? der sich auf ihren Hunger legte
Wind und Wellen gehen über ihren Schlaf hinweg
Uhren und Glocken und Atmen im wunden Gehör
so lass doch ein Gras wachsen ein Laub einen einsamen Blick der ihnen sagte von deiner Liebe von der sie früher einmal sangen
aber allein sitzt jetzt die Amsel auf dem First stumm und als ob versunken in der Schwere der sich zum Winter schleppenden Tage
unerträgliche Sonne über den sandigen Ebenen vertraute Wälder der Kindheit brennendes Haar der Nymphen was auch immer die Träume der Sterbenden heimsucht
treib sie nicht fort aus dem Duft der Äpfel und den Farben der Dämmerungen
leg doch dein Schweigen in ihre Starre unter die Haut der frostigen Wangen
für kommende Blüte ein Odem für den Ruf ihrer Namen dort
im Traum nur. warst du nicht mehr müde. da tagte es ein ganzes Jahr. und kühler Wind in den Zweigen deiner Wünsche. in die Mitte des Lichts, wo die Stille jeden Klang umschließt, fiel, was du geflüstert haben musst. wie eine Kugel in den Brunnen. da sitzt ein Kind. und singt allein vor sich hin. und hat die Gespenster hinter sich zu Stein verwandelt. ihre Augen wurden zu Flechten. und ihre Tränen zu Straßen, aus der Zeit geflossen.
[…]
was ihnen blieb: Sterne zwischen den Streifen, als ließe der Himmel die Wege fallen der Kranichzüge und der zwischen den Seelen pilgernden Engel. sie gehen gen Norden die Gleise entlang. als ob zurück zu jenen Tagen, als die eigentliche Wahrheit ruhte in der Not einer Lüge.
[…]
in dir wachsen Ideen, wohin es dich zöge, wärst du ein Pilger. die Zeit fährt immer fort. ganz gleich, wo du weilst. oder ob du dich bewegst. du würdest dorthin wandern, wo die Weile eine andere Länge bekäme. und nach einer gewissen Strecke würdest du denken: sie folgt mir. ich gehe ihr voraus. aber dann kämen die Aufenthalte. und sie würden von Mal zu Mal länger. bis dir die Stille sagte: sie lässt sich betrachten. an allem. was vergeht.
[…]
grau mag sein das schon lange Vergangene. fahl die Zukunft. die uns in diesen müden Tagen erzählt wird. doch dass wir uns erkennen am Warten aufeinander. an der Sehnsucht. nach des Anderen Stimme. und keine andere Sprache zu haben scheinen als die gemeinsame. weit. weit voraus. den üblichen Worten und Tönen. viel tiefer noch. dort. wo Augenblick und Erinnerung in eines zusammenfließen. wo der Spiegel, vor dem man steht, den Anderen zeigt, wie er dich anschaut. und nach dem Schlaf noch eine unbestimmte Zeit Haut an Haut, im einigen Atmen zu liegen.
der Töne Grund die ihrer Lieder ledig von Hoffnung wund geriebene Hände das Glück. vergessenes. weiß dich noch in den entferntesten Winkeln. hört es dich atmen reißt sich die Ängste aus dem Schauen der Nächte
II
[Klage des Christophorus]
was habe ich hier verloren? deine Stimme im Schatten, den ich werfe, flüstert: Tod träumend muss ich gegangen sein an ein Ufer ohne Wiederkehr anders zu schlafen. ohne Sehnsucht keiner soll mir folgen. in die dunkle Behausung wo ich nichts erinnere. als die Idee von Gott. die es einmal gab ich nahm dorthin nichts mit und wo ich zuletzt gewesen sein muss, schleifen die Wellen die Spuren fern ist dort die Rede von einem Morgengrauen wo, wenn es regnet, keiner an Tränen denkt ich liege in der Ermattung der Zeit schmerzlos unter den morschen Armen der Mütter das Laub meiner Lieder fiel in die eisigen Hände ferner Monde und meine Finger sind wie zerstoßenes Gestein darin noch ein Gehör in stumpfer Wachheit für den Wind, der kommen mag doch ist ein Trost in der Stille und die Seele noch sehr jung als sie zum Geschenk wurde zur Gabe inmitten einer umfassenden Verwitterung Trümmer der Webstühle Trümmer der Altäre Trümmer der Wangen der Hände der Füße der Wege der Gedanken nicht mehr wachsen wird das Gras und die Knospen haben verkohlte Augen ein Scheitern der Zeit zurücklassend weder Zorn noch Fragen unvorstellbar werden sein Landschaften und hilfreiche Opfer und wartende Boote fallende Sterne und steigende Nebel nicht einmal das Unvorstellbare das Kinder sich erzählen, nachts, in Zelten, wenn die Schatten der Gespenster zwischen den Ästen der Eichen schaukeln aber immer wird eine Brandung durch das erstarrte Schauen gehen und Felsen stehen darin, wie Säulen, die sich zuwerfen möchten das Echo ihrer Klagen dass ohne Trauer ist die Zeit. ohne Hauch. ohne Klang
III
bist du glücklich?
leicht ist der Körper im Traum etwas bewegt sich klopft ans Fenster oder zieht die Schatten ab vom Boden von den Wänden wie Klebebilder die du drehen sollst um sie als Wolken an den Himmel zu heften
oder gefaltete Boote zwischen die Wellenkämme gelegt oder aufgezogen auf Fäden von Licht und Staub
deine Stimme rieselt in die Spalten zwischen Müdigkeit und Kuss
die Hand greift in den Abgrund ein anderes Reifen und Rufen der Zweige über der Brandung ein engerer Raum wo Land und Meer sich streiten als ob um Licht und Schatten
allein geblieben mit allen Gedanken Sterben und Lieben geopferte Zeit und die Frage wofür
aber sind nicht Gebete wie endlose Flure von denen die ungezählten Zimmer abgehen für Schlaf und Wachen und hinter manchen von ihnen die Gärten und Küsten dorthin hinauszutreten wo Irdisches und Himmlisches sich sehr nahe kommen ein Sprung nur über den gefallenen Stamm der Esche ein Schritt nur von der letzten Stunde des alten Jahres zur ersten des neuen ein Griff nur durch das Glas wie durch Quellwasser in den Händen zu halten diesen kurzen Moment bis es die Augen erfrischt und reinigt von den wirren Träumen
dem Heiligen dort am nahesten wo das gebrochene Licht seine Schmerzen am stärksten empfindet
IV
und nie vergessen konntest du jene die dich verließen die ausstiegen aus ihren Seelen und ihr Schauen verstauben ließen
oben hast du gesessen still in deiner Verzweiflung und blicktest über das Land und legtest sein müdes Gesicht in deine wunden Hände
Hirte Du ohne Flöte und Stab Sänger Du ohne Lyra und Echo
fragend immer und immer wieder warum du dich in die Welt schicktest warum sie nicht überlassen dem Feuer und den Winden
und so einsam bei Nacht hinter den Altären und in allen Zeichen der fließenden Zeit
vor allem aber dem eigenen Geist nicht zu entkommen
V
spät erst habe ich zu leben begonnen
fern ist der Garten der Heimat
seine Vögel höre ich singen und schwatzen täglich nach dem Erwachen
mich überflutet die Welt
ein einsames Boot habe ich mir gebaut und auf einen Hügel geschoben der aus der Brandung ragte
über den Liedern wuchs Gras aus dem Hauch der die Wange der Mutter streifte
mein Finger fast wie ein Halm der das erste Licht das über den Horizont kroch berühren möchte
die Gewitter sind fern und die Ufer ohne Rückkehr
einsame Bäume werfen Schatten
und einzelne Wolken als hielten sie sich fest am Himmel
ein Ort für mich mit etwas Platz für letzte Träume
so gut wie vorbei ist das Leben und früh am Morgen blickt es mich an aus dem Winkel des Unversuchten
zwischen den Gräsern der Stein sieht aus wie Brot
in meinen Händen zerstoßene Muscheln
es fehlt nicht mehr viel dann hat sich verzehrt die Zeit
mir fehlt nicht mehr viel außer die besseren Worte des Geliebten im Ohr
durch Ödland. die Heimwege. zur Heimwiege. da hängt der Mond zwischen Wäscheleinen. die Züge rasseln hinter den Häusern. zwei Straßen weiter. und landende Flieger ziehen über den Dächern vorbei. einer nach dem anderen. wie an Schnuren herabgezogen. mit den Schatten uralter Ungeheuer. die durch alle Wohnungen rasen. wie die hilflosen Rufe des Daidalos an den leeren Ufern von Ikaria.
Wechselgesichtige. Nicht Unbeschreibliche. Blicke hinaus. wie die Blicke hinein. doch ging ihnen verloren. Davor. Und Einst. die anderen Namen. unter ihren Füßen versteckt. oder ins Wasser gestoßen. wie lästiger Stein. aber nur. wenn es keiner sieht. und dass sich die Tore nicht öffnen. wenn jemand naht. ist bei ihnen die Zeit ein versickernder Regen. in den harten Furchen dürrer Erde. unerinnerlich.
[…]
du hast die Räume noch nicht durchschritten. in denen sich die Zeit dehnt. dahinter zu finden heimische Küste. Duft von Tang. Sand. Hafer. Kiefern. Heidekraut. stiller Glaube. und leiser Zweifel. Gesichter aus Stein. dahinter das Lächeln zu suchen. ihr Rauhes. ein gänzlich natürlicher, zärtlicher Klang. sie sagen nichts. sie erinnern alles. sie leiden im Verborgenen. sie schauen dir hinterher. wenn du vorübergegangen bist. als ob einer sinkenden Abendsonne nach. sie sind in den späten, wärmeren Farben. im Gedeckten des Herbstes. groß werden ihre Augen in der Rückschau. aber niemand muss ihnen jetzt erscheinen. von weit her. um ihnen zu sagen. woher sie kommen. sie sind alle Vertriebene. Gestrandete. mit zerstoßenen Seelen. und rissigen Händen. du aber kannst schweigen. unter den Schweigenden. mit Krügen voll Wasser gehst du durch die trockenen Gärten ihres stummen Brütens. zu gießen alles Unmögliche. das du dir vorstellen kannst.
[…]
als dich nichts mehr zurückhielt. herauszutreten. aus der Last des Erinnerns. dich zu erschöpfen. in schweigender Wanderschaft. die Augenblicke zu sammeln. in den Schritten. sorglos die Finger zu legen. in den Staub. der die Wunden schloss.
dunkler. des Pilgers Gesicht. wenn er heimkommt. Schatten des Freundes. der ihm die Hand reichte. und so kostbar das Wenige. das er geben konnte. Welkendes. das sich verwandelt. unter den Sohlen. Anderes spiegelnd. wenn er Wasser holt. und im Brunnen die Augen dessen erkennt, der ihn nicht mehr fand. der Düfte zurückließ. von Gräsern. und Blüten.
du schöpfst mit deinen Händen. so lange. bis der Sand zu Schnee geworden ist. in der Schönheit des Sternjasmin. in der Reinheit des weißen Lotus. rastlos zu sein. solange die Trauer. wortlos. solange die Träume. blühend im matteren Licht. in den Tropfen geschmolzenen Glases. im Herz eines schon brüchigen Gesteins.